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	<title>Różaniec - modlitwa zawierzenia... &#187; de-de</title>
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	<description>dawniej rosary.katolik.pl</description>
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		<title>APOSTOLISCHES SCHREIBEN ROSARIUM VIRGINIS MARIAE</title>
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		<pubDate>Fri, 09 Jan 2009 22:42:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>dstranz</dc:creator>
				<category><![CDATA[de]]></category>
		<category><![CDATA[de-de]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Rosenkranz der Jungfrau Maria (Rosarium Virginis Mariae ), der sich allmählich im zweiten Jahrtausend unter dem Wehen des Geistes Gottes entwickelt hat, ist ein durch das Lehramt empfohlenes beliebtes Gebet vieler Heiliger. In seiner Schlichtheit und Tiefe bleibt der Rosenkranz auch in dem soeben begonnenen dritten Jahrtausend ein Gebet von großer Bedeutung und ist dazu bestimmt, Früchte der Heiligkeit hervorzubringen. Dieses Gebet reiht sich gut ein in den geistigen Weg des Christentums, das nach zweitausend Jahren nichts von der Frische des Ursprungs verloren hat und das sich durch den Geist Gottes gedrängt fühlt, ?hinauszufahren? ( ?duc in altum! ? ), um der Welt wieder und wieder Christus zuzurufen, noch mehr ihn ?hinauszurufen? : Christus, als den Herrn und Erlöser, als ?den Weg, die Wahrheit und das Leben? (Joh 14,6), als ?das Ziel der menschlichen Geschichte, der Punkt, auf den hin alle Bestrebungen der Geschichte und Kultur konvergieren? .1

Tatsächlich ist der Rosenkranz, wenn auch von seinem marianischen Erscheinungsbild her charakterisiert, ein zutiefst christologisches Gebet. In der Nüchternheit seiner Teile vereinigt er in sich die Tiefe der ganzen Frohen Botschaft , für die er gleichsam eine Kurzfassung2 ist. In ihm erklingt das Gebet Marias, ihr unaufhörliches Magnificat durch das Werk der erlösenden Menschwerdung, die in ihrem jungfräulichen Schoß ihren Anfang nahm. Mit dem Rosenkranz geht das christliche Volk in die Schule Mariens , um sich in die Betrachtung der Schönheit des Antlitzes Christi und in die Erfahrung der Tiefe seiner Liebe einführen zu lassen. In der Betrachtung der Rosenkranzgeheimnisse schöpft der Gläubige Gnade in Fülle, die er gleichsam aus den Händen der Mutter des Erlösers selbst erhält.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="center" style="text-align: center;">APOSTOLISCHES SCHREIBEN<em><br />
<strong><span style="font-size: medium;">ROSARIUM VIRGINIS MARIAE</span> </strong> </em><br />
SEINER        HEILIGKEIT<br />
<strong>PAPST JOHANNES PAUL II.</strong><br />
AN DIE BISCHÖFE, DEN        KLERUS,<br />
DIE ORDENSLEUTE<br />
UND DIE GLÄUBIGEN<br />
ÜBER DEN        ROSENKRANZ
</p>
<p class="justify"> </p>
<p class="center"><strong>EINFÜHRUNG</strong></p>
<p class="justify">1. Der Rosenkranz der Jungfrau Maria (<em>Rosarium Virginis        Mariae</em> ), der sich allmählich im zweiten Jahrtausend unter dem Wehen        des Geistes Gottes entwickelt hat, ist ein durch das Lehramt empfohlenes        beliebtes Gebet vieler Heiliger. In seiner Schlichtheit und Tiefe bleibt        der Rosenkranz auch in dem soeben begonnenen dritten Jahrtausend ein Gebet        von großer Bedeutung und ist dazu bestimmt, Früchte der Heiligkeit        hervorzubringen. Dieses Gebet reiht sich gut ein in den geistigen Weg des        Christentums, das nach zweitausend Jahren nichts von der Frische des        Ursprungs verloren hat und das sich durch den Geist Gottes gedrängt        fühlt, ?hinauszufahren? ( ?<em>duc in altum!</em> ? ), um der Welt        wieder und wieder Christus zuzurufen, noch mehr ihn ?hinauszurufen? :        Christus, als den Herrn und Erlöser, als ?den Weg, die Wahrheit und        das Leben? (<em>Joh</em> 14,6), als ?das Ziel der menschlichen        Geschichte, der Punkt, auf den hin alle Bestrebungen der Geschichte und        Kultur konvergieren? .<sup>1</sup></p>
<p class="justify">Tatsächlich ist der Rosenkranz, wenn auch von seinem        marianischen Erscheinungsbild her charakterisiert, ein zutiefst        christologisches Gebet. In der Nüchternheit seiner Teile vereinigt er in        sich <em>die Tiefe der ganzen Frohen Botschaft</em> , für die er gleichsam        eine Kurzfassung<sup>2 </sup> ist. In ihm erklingt das Gebet Marias, ihr        unaufhörliches<em> Magnificat </em> durch das Werk der erlösenden        Menschwerdung, die in ihrem jungfräulichen Schoß ihren Anfang nahm. Mit        dem Rosenkranz geht das christliche Volk <em>in die Schule Mariens</em> , um        sich in die Betrachtung der Schönheit des Antlitzes Christi und in die        Erfahrung der Tiefe seiner Liebe einführen zu lassen. In der Betrachtung        der Rosenkranzgeheimnisse schöpft der Gläubige Gnade in Fülle, die er        gleichsam aus den Händen der Mutter des Erlösers selbst        erhält.</p>
<p class="justify"><em><strong>Die Päpste und der Rosenkranz</strong> </em></p>
<p class="justify">2. Diesem Gebet haben viele meiner Vorgänger große Bedeutung        zugemessen. Besondere Verdienste erwarb sich Papst Leo XIII., der am 1.        September 1883 die Enzyklika <em>Supremi apostolatus officio </em> veröffentlichte,<sup>3 </sup> eine Erklärung hoher Bedeutung, die am        Beginn von zahlreichen anderen Äußerungen über dieses Gebet stand und in        der der Papst auf dieses Gebet als wirksames geistiges Mittel angesichts        der Übel der Gesellschaft hinwies. Unter den Päpsten der jüngeren        Geschichte, die sich in der Konzilszeit durch die Verbreitung des        Rosenkranzes ausgezeichnet haben, möchte ich an den seligen Johannes        XXIII.<sup>4</sup> erinnern und vor allem an Paul VI., der im        Apostolischen Schreiben <em>Marialis cultus </em> in Übereinstimmung mit dem        Zweiten Vatikanischen Konzil den evangeliumsgemäßen Charakter des        Rosenkranzgebetes und seine christologische Ausrichtung hervorgehoben        hat.</p>
<p class="justify">Auch ich selbst habe in der Folge keine Gelegenheit        verabsäumt, um zum häufigen Rosenkranzgebet zu ermutigen. Seit meinen        Kinder- und Jugendjahren hat dieses Gebet einen wichtigen Platz in meinem        geistlichen Leben eingenommen. Daran habe ich mich während meiner letzten        Reise nach Polen erinnert, vor allem beim Besuch des Wallfahrtsortes        Kalwaria Zebrzydowska. Das Rosenkranzgebet hat mich in Augenblicken der        Freude und der Prüfung begleitet. Viele Sorgen habe ich in dieses Gebet        hineingelegt und habe dadurch stets Stärkung und Trost erfahren. Vor        vierundzwanzig Jahren, am 29. Oktober 1978, gerade zwei Wochen nach meiner        Wahl auf den Stuhl Petri, habe ich mich, gleichsam mein Herz öffnend, wie        folgt ausgedrückt: ?Der Rosenkranz ist mein Lieblingsgebet. Er ist        ein wunderbares Gebet, wunderbar in seiner Schlichtheit und seiner Tiefe.        [...] Man kann sagen, der Rosenkranz ist in gewisser Weise ein        Gebetskommentar zum letzten Kapitel der Konstitution<em> Lumen gentium </em> des Zweiten Vatikanischen Konzils, dem Kapitel, das von der        wunderbaren Gegenwart der Muttergottes im Geheimnis Christi und der Kirche        handelt. In der Tat ziehen vor dem Hintergrund der Worte des<em> Ave Maria </em> vor den Augen der Seele die wichtigsten Ereignisse des Lebens Jesu        vorbei. Sie bilden zusammen den freudenreichen, schmerzhaften und        glorreichen Rosenkranz, der uns &#8211; so könnten wir sagen &#8211; durch das Herz        seiner Mutter in lebendige Verbindung mit Jesus bringt. Gleichzeitig kann        unser Herz in die Abfolge dieser Geheimnisse des Rosenkranzes alle        Ereignisse einschließen, die das Leben des einzelnen, der Familie, der        Nation, der Kirche und der Menschheit ausmachen; die persönlichen        Erfahrungen und die des Nächsten, in besonderer Weise die jener Menschen,        die uns am allernächsten stehen, die uns am Herzen liegen. So bekommt das        schlichte Gebet des Rosenkranzes den Rhythmus des menschlichen Lebens?        .<sup>5 </sup></p>
<p class="justify">Mit diesen Worten, meine lieben Brüder und Schwestern,        stellte ich <em>das erste Jahr meines Pontifikates </em> in den täglichen        Rhythmus des Rosenkranzgebetes hinein. Heute, <em>am Anfang des        fünfundzwanzigsten Jahres des Dienstes als Nachfolger Petri</em> , möchte        ich dasselbe tun. Wie viele Gnaden habe ich in diesen Jahren von der        Heiligen Jungfrau durch das Rosenkranzgebet empfangen: <em>Magnificat anima        mea Dominum</em> ! Meinen Dank an den Herrn möchte ich mit den Worten der        heiligsten Mutter ausdrücken, unter deren Schutz ich mein petrinisches        Dienstamt gestellt habe: <em>Totus tuus</em> !</p>
<p class="justify"><em><strong>Oktober 2002 &#8211; Oktober 2003: Jahr des        Rosenkranzes</strong> </em></p>
<p class="justify">3. Im Zuge der Überlegungen des Apostolischen Schreibens<em> <a  href="http://www.vatican.va/holy_father/john_paul_ii/apost_letters/documents/hf_jp-ii_apl_20010106_novo-millennio-ineunte_ge.html">Novo        millennio ineunte</a> </em> , in welchem ich das Volk Gottes nach der        Erfahrung des Großen Jubiläums dazu eingeladen habe, ?von Christus        her neu aufzubrechen? ,<sup>6 </sup> erachte ich es als notwendig, eine        Betrachtung über das Rosenkranzgebet zu entfalten. Diese dient gleichsam        einer marianischen Krönung des genannten Apostolischen Schreibens, um in        Gemeinschaft und in der Schule der Allerseligsten Mutter zur Betrachtung        des Antlitzes Christi zu ermutigen. Den Rosenkranz beten ist tatsächlich        nichts anderes, als <em>mit Maria das Antlitz Christi zu betrachten</em> . Um        dieser Einladung eine noch größere Bedeutung zu geben, nutze ich gerne die        Gelegenheit, die sich durch den kommenden hundertzwanzigsten Jahrestag der        bereits genannten Enzyklika von Papst Leo XIII. bietet. Ich wünsche, daß        dieses Gebet im Laufe dieses Jahres in den verschiedenen christlichen        Gemeinschaften besonders angeboten und geschätzt wird. Deshalb erkläre ich        den Zeitraum vom Oktober dieses Jahres bis zum Oktober 2003 zum<em> Jahr        des Rosenkranzes</em> .</p>
<p class="justify">Diese pastorale Anleitung vertraue ich der Initiative der        einzelnen kirchlichen Gemeinschaften an. Mit ihr beabsichtige ich nicht,        die pastoralen Vorhaben der Teilkirchen zu hemmen, sondern sie vielmehr zu        ergänzen und zu konsolidieren. Ich vertraue darauf, daß sie mit        Großherzigkeit und Bereitwilligkeit aufgenommen wird. Der Rosenkranz, in        seiner ganzen Bedeutung wieder neu entdeckt, führt ins Herz des        christlichen Lebens selbst hinein. Er bietet eine gewohnheitsmäßige und        ebenso fruchtbare geistige wie pädagogische Möglichkeit der persönlichen        Betrachtung, der geistlichen Bildung des Volkes Gottes und der        Neuevangelisierung. Ich möchte dies auch anläßlich eines anderen freudigen        Jubiläums bekräftigen: Vierzig Jahre sind seit dem Beginn des Ökumenischen        II. Vatikanischen Konzils vergangen (11. Oktober 1962), der ?großen        Gnade? , die der Geist Gottes für die Kirche unserer Zeit vorgesehen        hat.<sup>7</sup></p>
<p class="justify"><em><strong>Einwände gegen das Rosenkranzgebet</strong> </em></p>
<p class="justify">4. Das Ergreifen dieser Initiative entspringt verschiedenen        Überlegungen. Die erste betrifft die Notwendigkeit, einer gewissen Krise        dieses Gebetes zu begegnen. Im derzeitigen geschichtlichen und        theologischen Kontext läuft der Rosenkranz Gefahr, in seinem Wert        ungerechterweise vermindert zu werden, und wird darum nur kaum an die        neuen Generationen weitergegeben. Manche denken, die zentrale Bedeutung        der Liturgie, wie sie richtigerweise vom Ökumenischen II. Vatikanischen        Konzil unterstrichen wurde, müsse notwendigerweise eine Abwertung des        Rosenkranzes zur Folge haben. Paul VI. hat klargestellt, daß dieses Gebet        nicht nur der Liturgie nicht entgegensteht, sondern sie unterstützt. Denn        der Rosenkranz bereitet auf die Liturgie vor und ist ihr Widerhall, indem        er uns ermöglicht, diese in der Fülle innerer Anteilnahme zu leben und        daraus gute Früchte für das Leben im Alltag        hervorzubringen.</p>
<p class="justify">Vielleicht besteht auch die Befürchtung, der Rosenkranz        könne wegen seines ausgesprochen marianischen Charakters als wenig        ökumenisch gelten. In Wirklichkeit führt uns dieses Gebet in einen viel        klareren Horizont der Verehrung der Mutter Gottes, den das Konzil        aufgezeigt hat: eine Frömmigkeitsform, die sich am christologischen        Zentrum des christlichen Glaubens orientiert, und zwar in der Weise,        daß ?wenn die Mutter geehrt wird, der Sohn [...] richtig erkannt,        geliebt, verherrlicht wird? .<sup>8n</sup> Wenn das Rosenkranzgebet in        angebrachter Weise neu entdeckt wird, ist es eine Hilfe und sicher kein        Hindernis für die Ökumene!</p>
<p class="justify"><em><strong>Weg der Betrachtung</strong> </em></p>
<p class="justify">5. Der wichtigste Grund, um die Übung des Rosenkranzgebetes        erneut kraftvoll vorzuschlagen, ist jedoch die Tatsache, daß er ein sehr        nützliches Mittel darstellt, um unter den Gläubigen das wichtige Anliegen        der Betrachtung des Christusgeheimnisses zu fördern, die ich im        Apostolischen Schreiben <em><a  href="http://www.vatican.va/holy_father/john_paul_ii/apost_letters/documents/hf_jp-ii_apl_20010106_novo-millennio-ineunte_ge.html">Novo        millennio ineunte</a> </em> als wahre und eigentliche &#8222;Pädagogik der        Heiligkeit&#8221; vorgestellt habe: ?Es braucht ein Christentum, das sich        vor allem durch die <em>Kunst des Gebetes </em> auszeichnet? .<sup>9 </sup> Während in unserer gegenwärtigen Kultur trotz vieler Widersprüche        eine neue Notwendigkeit von Spiritualität aufscheint, die auch durch        Einflüsse anderer Religionen beschleunigt wird, ist es umso        vordringlicher, daß unsere christlichen Gemeinden ?echte Schulen des        Gebetes?<sup>10 </sup> werden.</p>
<p class="justify">Das Rosenkranzgebet ist in der besten und bewährten        Tradition der christlichen Betrachtung angesiedelt. Es hat sich als ein        eigentümlich meditatives Gebet im Westen entwickelt und ist in gewisser        Weise eine Entsprechung        zum ?Herzensgebet? oder ?Jesusgebet? , welches auf dem<em> Humus</em> des christlichen Ostens gewachsen ist.</p>
<p class="justify"><em><strong>Gebet für den Frieden und für die Familie</strong> </em></p>
<p class="justify">6. Um der Neubelebung des Rosenkranzgebetes größere        Aktualität beizumessen, sind hier einige geschichtliche Umstände        anzufügen. Als erster sei die Notwendigkeit genannt, Gott inständig um        <em>das Geschenk des Friedens </em> zu bitten. Meine Vorgänger und ich selbst        haben den Rosenkranz wiederholt als Gebet um den Frieden empfohlen. Am        Beginn eines neuen Jahrtausends, welches mit den Schauder erregenden        Bildern des Attentates vom 11. September 2001 begonnen hat und jeden Tag        in vielen Teilen der Welt neue Szenen von Blut und Gewalt aufweist,        bedeutet die Wiederentdeckung des Rosenkranzes, sich in die Betrachtung        des Geheimnisses dessen zu vertiefen, der ?unser Friede ist? , indem        er ?die beiden Teile vereinigte und die trennende Wand der        Feindschaft niederriß? (<em>Eph</em> 2, 14). Somit kann man den        Rosenkranz nicht beten, ohne den Auftrag zur Teilnahme am Dienst des        Friedens anzunehmen, mit einem besonderem Augenmerk auf das so schwer        geprüfte Land Jesu, das uns Christen so teuer ist.</p>
<p class="justify">Dieselbe Dringlichkeit an Einsatz und Gebet tritt an einem        anderen kritischen Punkt unserer Zeit hervor, nämlich dem der        <em>Familie</em> , der Keimzelle der Gesellschaft, die immer mehr durch        zersetzende Kräfte auf ideologischem oder praktischem Niveau bedroht ist.        Solche Einflüsse lassen um die Zukunft dieser fundamentalen und        unverzichtbaren Institution für sie selbst sowie für die gesamte        Gesellschaft fürchten. Die Wiederbelebung des Rosenkranzes in den        christlichen Familien stellt im Spektrum einer weit angelegten Pastoral        der Familie eine wirksame Hilfe dar, um die verheerenden Auswirkungen        dieser epochalen Krise einzudämmen.</p>
<p class="justify"><strong><em>?Siehe, deine Mutter? </em> (<em>Joh</em> , 19,        17)</strong></p>
<p class="justify">7. Zahlreiche Zeichen weisen darauf hin, wie sehr die        heilige Jungfrau auch heute gerade durch dieses Gebet jene mütterliche        Sorge walten lassen will, welcher der sterbende Erlöser in der Person des        Lieblingsjüngers alle Kinder der Kirche anvertraut hat: ?Frau, siehe        dein Sohn!? (<em>Joh </em> 19, 26). Bekannt sind die verschiedenen        Umstände im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert, in denen die Mutter        Christi in der einen oder anderen Weise ihre Gegenwart und ihre Stimme        vernehmbar gemacht hat, um das Volk Gottes zu dieser Form des        betrachtenden Gebetes aufzurufen. Wegen ihres bedeutenden Einflusses auf        das Leben vieler Christen und wegen der amtlichen Anerkennung, die sie        seitens der Kirche erfahren haben, möchte ich besonders an die        Erscheinungen in Lourdes und Fatima<sup>11</sup> erinnern. Diese        Wallfahrtsorte sind das Ziel zahlreicher Pilger auf der Suche nach Trost        und Hoffnung.</p>
<p class="justify"><em><strong>Auf den Spuren der Zeugen</strong> </em></p>
<p class="justify">8. Es wäre unmöglich, die zahllosen Heiligen zu nennen, die        im Rosenkranzgebet einen authentischen Weg der Heiligung entdeckt haben.        Es wird genügen, hier an den heiligen Ludwig Maria Grignion de Montfort zu        erinnern, den Autor eines kostbaren Werkes über den Rosenkranz,<sup>12 </sup> und in größerer zeitlicher Nähe zu uns an Pater Pio von Pietrelcina,        den ich zu meiner Freude vor kurzem heiligsprechen konnte. Ein besonderes        Charisma hatte weiterhin der selige Bartolo Longo, der ein wahrer Apostel        des Rosenkranzes gewesen ist. Sein Weg der Heiligkeit gründete auf einer        Eingebung, die er in der Tiefe seines Herzens vernahm: ?Wer das        Rosenkranzgebet verbreitet, ist gerettet!?<sup>13</sup> <sup> </sup> Auf        dieser Grundlage fühlte er sich berufen, in Pompeji ein Heiligtum der        Jungfrau vom Heiligen Rosenkranz zu errichten, welches auf den Ruinen der        antiken Stadt ruht, die gerade erst von der Botschaft des Christentums        berührt worden war, bevor sie im Jahre 79 durch den Ausbruch des Vesuvs        begraben wurde. Aus ihrer Asche erhebt sie sich Jahrhunderte später zum        Zeichen für das Licht und die Schatten der Gesellschaft der klassischen        Epoche.</p>
<p class="justify">Mit seinem ganzen Werk, und vor allem durch        die ?Fünfzehn Samstage? , hat Bartolo Longo das christozentrische und        betrachtende Wesen des Rosenkranzes herausgearbeitet, wobei er besondere        Ermutigung und Unterstützung durch Leo XIII., den ?Papst des        Rosenkranzes? , fand.</p>
<p class="justify"> </p>
<p align="center"><strong>ERSTES KAPITEL </strong></p>
<p align="center"><strong>MIT MARIA CHRISTUS BETRACHTEN</strong></p>
<p class="justify"><em><strong>Ein Antlitz, leuchtend wie die Sonne</strong> </em></p>
<p class="justify">9. ?Und er wurde vor ihren Augen verwandelt; sein Gesicht        leuchtete wie die Sonne? (<em>Mt</em> 17, 2). Die im Evangelium        berichtete Szene von der Verklärung Christi, in der die drei Apostel        Petrus, Jakobus und Johannes wie verzückt von der Schönheit des Erlösers        erscheinen, kann zu einem <em>Bild christlicher Kontemplation </em> erhoben        werden. Es bleibt der Auftrag eines jeden Jüngers Christi, und somit auch        unser Auftrag, die Augen auf das Antlitz Christi gerichtet zu halten und        darin das Geheimnis des gewöhnlichen und schmerzlichen Weges seiner        Menschheit zu erkennen, bis hin zum Begreifen des göttlichen Glanzes, der        sich endgültig im Auferstandenen, der zur Rechten des Vaters verherrlicht        ist, kundtut. Im Betrachten dieses Angesichtes öffnen wir uns, um das        Geheimnis des dreifaltigen Lebens in uns aufzunehmen und um stets aufs        Neue die Liebe des Vaters zu erfahren und die Freude des Heiligen Geistes        zu verkosten. So verwirklicht sich auch für uns das Wort des heiligen        Paulus: ?Wir alle spiegeln mit enthülltem Angesicht die Herrlichkeit        des Herrn wider und werden so in sein eigenes Bild verwandelt, von        Herrlichkeit zu Herrlichkeit, durch den Geist des Herrn? (<em>2Kor </em> 3, 18).</p>
<p class="justify"><em><strong>Maria, Vorbild der Kontemplation</strong> </em></p>
<p class="justify">10. Die Betrachtung Christi hat in Maria ihr<em> unübertreffliches Vorbild. </em> Das Antlitz des Sohnes gehört in besonderer        Weise zu ihr. In ihrem Schoß hat er Gestalt angenommen und von ihr ein        menschlich ähnliches Aussehen empfangen, das eine sicher noch größere        geistliche Verbundenheit mit sich bringt. Niemand hat sich mehr als Maria        der Betrachtung des Antlitzes Christi mit gleicher Beharrlichkeit        hingegeben. Die Augen ihres Herzens richten sich in gewisser Weise schon        bei der Verkündigung auf ihn, als sie ihn durch das Wirken des Heiligen        Geistes empfängt. In den folgenden Monaten beginnt sie, seine Gegenwart zu        spüren und seine Züge zu erahnen. Als sie ihn schließlich in Bethlehem zur        Welt bringt, sind auch die Augen ihres Leibes zärtlich auf das Angesicht        des Sohnes gerichtet, den sie in Windeln wickelte und ihn in eine Krippe        legte? (vgl. <em>Lk</em> 2, 7).</p>
<p class="justify">Von jetzt an wird ihr Blick, der immer mehr anbetendem        Staunen gleicht, nicht mehr von ihm weichen. Es wird zuweilen <em>ein        fragender Blick </em> sein, wie beim Ereignis der Wiederauffindung im        Tempel: ?Kind, wie konntest du uns das antun?? (<em>Lk </em> 2,        48). In jeden Fall wird es ein <em>durchdringender Blick </em> sein, der        fähig ist, im Innersten Jesu seine verborgenen Gefühle wahrzunehmen und        seine Absichten zu erahnen, wie in Kana (vgl.<em> Joh</em> 2, 5). Andere        Male wird es ein schmerzlicher Blick sein, vor allem unter dem Kreuz, wo        es wieder in gewissem Sinn der Blick der &#8222;Gebärenden&#8221; sein wird, da Maria        sich nicht darauf beschränkt, das Leiden und den Tod des Eingeborenen        mitzuvollziehen, sondern im Lieblingsjünger (vgl.<em> Joh </em> 19, 26-27)        den neuen Sohn aufzunehmen. Am Ostermorgen wird es <em>ein strahlender        Blick </em> in der Freude der Auferstehung sein, und schließlich am        Pfingsttag ein durch die Ausgießung des Geistes (vgl.<em> Apg</em> 1, 14)        <em>glühender Blick. </em></p>
<p class="justify"><em><strong>Die Erinnerungen Mariens</strong> </em></p>
<p class="justify">11. Maria lebt mit den Augen auf Christus gerichtet und        macht sich jedes seiner Worte zu eigen: ?Sie bewahrte alles, was        geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach? (<em>Joh </em> 19, vgl. 2, 51). Die Erinnerungen an Jesus, die sich ihrer Seele        einprägten, haben sie in allen Umständen begleitet, indem sie die        verschiedenen Momente ihres Lebens, die sie an der Seite Jesu verbrachte,        in Gedanken nochmals durchlief. Diese Erinnerungen bildeten, in gewisser        Weise, den &#8222;Rosenkranz&#8221;, den sie selbst unaufhörlich in den Tagen ihres        irdischen Lebens wiederholte.</p>
<p class="justify">Und auch jetzt, inmitten der Freudengesänge des himmlischen        Jerusalems, bleibt der Grund ihres Dankes und ihres Lobes unverändert.        Dieser Grund regt ihre mütterliche Sorge für die pilgernde Kirche an, in        der sie fortfährt, die Handlung ihrer Geschichte als Verkündigerin zu        entfalten. <em>Maria legt den Gläubigen nochmals unaufhörlich die        &#8222;Geheimnisse&#8221; ihres Sohnes vor</em> , mit dem Wunsch, daß sie betrachtet        werden, auf daß sie ihre erlösende Kraft ausströmen können. Beim Beten des        Rosenkranzes kommt die christliche Gemeinde mit dem Andenken und dem Blick        Marias in Einklang.</p>
<p class="justify"><em><strong>Der Rosenkranz, ein betrachtendes Gebet</strong> </em></p>
<p class="justify">12. Gerade aus der Erfahrung Marias ist der Rosenkranz        <em>ein ausgesprochen kontemplatives Gebet.</em> Wenn es diese Dimension        entbehrt, würde ein entstelltes Gebet entstehen, wie Paul VI.        unterstrichen hat: ?Ohne Betrachtung ist der Rosenkranz ein Leib ohne        Seele, und das Gebet läuft Gefahr, zu einer mechanischen Wiederholung von        Formeln zu werden, ganz im Widerspruch zur Mahnung Jesu: &#8222;Wenn ihr betet,        sollt ihr nicht plappern wie die Heiden, die meinen, sie werden nur        erhört, wenn sie viele Worte machen&#8221; (<em>Mt</em> 6, 7). Seiner Natur nach        verlangt das Rosenkranzgebet einen ruhigen Rhythmus und ein besinnliches        Verweilen, was dem Betenden die Betrachtung der Geheimnisse im Leben des        Herrn erleichtert und diese gleichsam mit dem Herzen derjenigen schauen        läßt, die dem Herrn am nächsten stand. So werden sich ihm die        unergründlichen Reichtümer dieser Geheimnisse erschließen?        .<sup>14</sup></p>
<p class="justify">Es lohnt sich, bei diesen tiefen Gedanken von Paul VI. zu        verweilen, um einige Dimensionen des Rosenkranzes herauszustellen, die        besser den Eigencharakter der christologischen Betrachtung bestimmen.</p>
<p class="justify"><em><strong>Sich mit Maria an Christus erinnern</strong> </em></p>
<p class="justify">13. Das Betrachten Mariens ist in erster Linie<em> ein        Erinnern. </em> Es ist jedoch notwendig, dieses Wort im biblischen Sinn von        Gedächtnis (<em>zakar</em> ) zu begreifen, das die Werke, die Gott in der        Heilsgeschichte erfüllt hat, wieder gegenwärtig setzt. Die Bibel ist eine        Erzählung von Heilsereignissen, die ihren Höhepunkt in Christus selbst        finden. Diese Ereignisse sind nicht nur ein &#8222;Gestern&#8221;; zugleich sind sie        <em>das &#8222;Heute&#8221; der Erlösung.</em> Diese Aktualisierung verwirklicht sich        vor allem in der Liturgie: das, was Gott vor Zeiten vollbracht hat,        betrifft nicht nur die unmittelbaren Zeugen der Ereignisse, sondern        erreicht mit dem Geschenk der Gnade Menschen zu jeder Zeit. Das gilt in        gewisser Weise auch für jede andere fromme Annäherung an jene Ereignisse:        sich in der Haltung des Glaubens und der Liebe daran &#8222;erinnern&#8221;, heißt,        sich der Gnade öffnen, die Christus uns in den Geheimnissen seines Lebens,        seines Todes und seiner Auferstehung erworben hat.</p>
<p class="justify">Indem wir nachdrücklich mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil        bekräftigen, daß die Liturgie als Ausübung des priesterlichen Amtes        Christi und öffentlicher Gottesdienst ?der Höhepunkt ist, dem das Tun        der ganzen Kirche zustrebt, und zugleich die Quelle, aus der all ihre        Kraft strömt? ,<sup>15 </sup> muß auch daran erinnert werden, daß        sich ?das geistliche Leben aber nicht schlechthin mit der Teilnahme        an der heiligen Liturgie deckt. Der Christ ist zwar berufen, in        Gemeinschaft zu beten, doch muß er auch in sein Kämmerlein gehen und den        Vater im Verborgenen anbeten (vgl.<em> Mt</em> 6, 6); ja ohne Unterlaß        beten, wie der Apostel mahnt (vgl. <em>1Thess</em> 5, 17)?        .<sup>16</sup> <sup> </sup> Es entspricht einer seiner Besonderheiten, daß        sich der Rosenkranz in dieses bunte Bild des &#8222;unaufhörlichen&#8221; Gebetes gut        einordnet. Wenn die Liturgie, das Handeln Christi und der Kirche, ein        <em>Heilswerk par excellence </em> darstellt, dann ist der Rosenkranz als        eine Meditation über Christus mit Maria<em> Heilsbetrachtung</em> . In der        Tat stellt die von Geheimnis zu Geheimnis vollzogene Vertiefung in das        Leben des Erlösers sicher, daß wir das, was Er gewirkt hat und was die        Liturgie vergegenwärtigt, tief in uns aufnehmen und es unsere Existenz        gestaltet.</p>
<p class="justify"><em><strong>Christus von Maria lernen</strong> </em></p>
<p class="justify">14. Christus ist der Lehrer schlechthin, der Offenbarer und        die Offenbarung. Es genügt nicht nur, die Dinge zu lernen, die Er gelehrt        hat, sondern &#8222;<em>ihn selbst zu lernen</em> &#8222;. Gibt es darin eine Lehrerin,        die uns mehr sagen könnte als Maria? Wenn auf der göttlichen Seite der        Geist der innere Meister ist, der uns zur Fülle der Wahrheit Christi führt        (vgl. <em>Joh </em> 14, 26; 15, 26; 16, 13), kennt unter den Geschöpfen        niemand besser als sie Christus; niemand kann uns besser als seine Mutter        in eine tiefe Kenntnis seines Geheimnisses einführen.</p>
<p class="justify">Das erste der von Jesus vollbrachten &#8222;Zeichen&#8221; &#8211; die        Verwandlung von Wasser in Wein bei der Hochzeit zu Kana &#8211; zeigt uns Maria        gerade im Gewand der Lehrerin, die dabei ist, die Diener zur Folgsamkeit        gegenüber Christi Anweisungen aufzufordern (vgl.<em> Joh</em> 2, 5). Wir        können uns gut vorstellen, daß Sie diese Aufgabe auch nach der Himmelfahrt        des Herrn ausgeübt hat, als Sie bei ihnen geblieben ist, um den Heiligen        Geist zu erwarten, und sie in ihrer ersten Mission bestärkt hat. Das Gehen        durch die Szenen des Rosenkranzes an der Seite Marias bedeutet, sich &#8222;in        die Schule Mariens&#8221; zu begeben, um Christus zu erfassen und um in die        Geheimnisse einzudringen, schließlich um seine Botschaft zu verstehen.</p>
<p class="justify">Eine Schule wie die Mariens ist um so wirksamer, wenn man        bedenkt, daß sie diese abhält, um uns der Gaben des Heiligen Geistes in        Fülle teilhaftig werden zu lassen. Sie stellt uns dabei das Beispiel        der ?Pilgerschaft im Glauben? <sup>17 </sup> vor Augen, in der sie        unsere unvergleichliche Lehrerin ist. Angesichts eines jeden Geheimnisses        des Sohnes lädt Sie uns ein, wie bei ihrer Verkündigung, die Fragen in        Demut zu stellen, die auf das Licht hin öffnen, um stets im        Glaubensgehorsam abzuschließen: ?Ich bin die Magd des Herrn; mir        geschehe, wie du es gesagt hast? (<em>Lk</em> 1, 38).</p>
<p class="justify"><em><strong>Gleichgestaltung in Christus mit Maria</strong> </em></p>
<p class="justify">15. Die christliche Frömmigkeit zeichnet sich durch ihr        Merkmal aus, daß der Jünger die Verpflichtung zu einer immer        vollständigeren Gleichgestaltung mit seinem Meister auf sich nimmt        (vgl.<em> Röm</em> 8, 29;<em> Phil </em> 3, 10.21). Die Ausgießung des Geistes        in der Taufe fügt den Glaubenden gleich einem Rebzweig in den Weinstock        ein, der Christus ist (vgl. <em>Joh</em> 15, 5), und macht ihn zu einem        Glied seines Mystischen Leibes (vgl.<em> 1 Kor</em> 12, 12;<em> Röm </em> 12,        5). Dieser Einheit zu Beginn muß ein Weg der wachsenden Gleichförmigkeit        mit Ihm entsprechen, wobei sich das ganze Verhalten des Jüngers immer mehr        an der &#8222;Logik&#8221; Christi ausrichtet: ?Seid untereinander so gesinnt,        wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht? (<em>Phil </em> 2, 5).        Nach den Worten des Apostels tut es Not, den Herrn Jesus Christus        anzulegen (vgl.<em> Röm </em> 13, 14;<em> Gal</em> 3, 27).</p>
<p class="justify">Während des geistlichen Vollzugs des Rosenkranzes, der &#8211; in        Gemeinschaft mit Maria &#8211; auf der unaufhörlichen Betrachtung des Antlitzes        Christi gründet, erreicht man dieses anspruchsvolle Ideal des        Ähnlichwerdens mit Ihm mittels eines Weges, den wir einen        freundschaftlichen Besuch nennen könnten. Dieser versetzt uns ganz        natürlich in das Leben Christi und erlaubt uns gleichsam, seine        Empfindungen nachzuvollziehen. Der selige Bartolo Longo sagt        dazu: ?Wie zwei Freunde, die sich öfters besuchen, sich in ihren        Gewohnheiten anzugleichen pflegen, so können auch wir, die wir in        familiärer Vertrautheit mit Jesus und der Jungfrau in der Betrachtung der        Rosenkranzgeheimnisse sprechen und gemeinsam ein und dasselbe Leben in der        Kommunion vollziehen, ihnen gleich werden, soweit dies unsere Begrenztheit        erlaubt: Von diesen höchsten Beispielen können wir das demütige, arme,        verborgene, geduldige und vollkommene Leben erlernen? .<sup>18 </sup></p>
<p class="justify">Für diesen Prozeß der Gleichgestaltung mit Christus        vertrauen wir uns im Rosenkranz besonders dem mütterlichen Wirken der        heiligen Jungfrau an. Sie, die Gottesgebärerin, gehört einerseits selbst        zur Kirche als ihr ?überragendes und völlig einzigartiges        Glied?<sup>19</sup> <sup> </sup> und ist zugleich die &#8222;Mutter der Kirche&#8221;.        Als solche &#8222;gebiert&#8221; sie ständig Kinder für den Mystischen Leib des        Sohnes. Dies übt sie durch die Fürbitte aus, indem sie für diese die        unerschöpfliche Ausgießung des Geistes erfleht. Sie ist das <em>vollkommene        Bild der Mütterlichkeit der Kirche.</em></p>
<p class="justify">Der Rosenkranz führt uns mystisch an die Seite Marias, die        damit beschäftigt war, das menschliche Heranwachsen Jesu im Haus von        Nazareth zu begleiten. Dies erlaubt ihr, auch uns mit derselben Sorgfalt        zu erziehen und uns zu formen, bis Christus vollkommen in uns Gestalt        angenommen hat (vgl. <em>Gal </em> 4, 19). Dieses völlig auf Christus        gegründete und ihm gänzlich untergeordnete Handeln        Mariens ?verhindert in keiner Weise die unmittelbare Vereinigung der        Glaubenden mit Christus, sondern wird vielmehr gefördert?        .<sup>20</sup> <sup> </sup> Es ist dies das vom Zweiten Vatikanischen Konzil        formulierte erleuchtete Prinzip, das ich in meinem Leben so stark erfahren        habe, um es zur Grundlage meines bischöflichen Wappenspruches zu        machen:<em> Totus tuus</em> .<sup>21</sup> <sup> </sup> Dieses Motto inspiriert        sich bekanntlich an der Lehre des heiligen Ludwig Maria Grignion de        Montfort, der die Rolle Mariens auf dem Weg eines jeden von uns zur        Gleichgestaltung mit Christus wie folgt erklärt hat: ?<em>Unsere ganze        Vollkommenheit besteht darin, gleichförmig mit Christus Jesus, geeint und        geweiht an ihn zu sein. </em> Jedoch die vollkommenste aller Formen der        Hingabe ist unbestreitbar jene, die uns noch vollkommener mit Christus        gleichgestaltet, vereinigt und uns ihm weiht. Da Maria das Geschöpf ist,        welches am meisten Christus gleichgestaltet ist, folgt daraus, daß unter        den Frömmigkeitsformen jene, die eine Seele besser unserem Herrn        gleichgestaltet und ihm weiht, die Marienverehrung ist, die Verehrung        seiner heiligen Mutter, und daß umso mehr eine Seele ihr geweiht ist, sie        auch mehr Jesus Christus selbst geweiht ist? .<sup>22</sup> <sup> </sup> Nirgends sonst erscheinen der Weg von Christus und jener von Maria        so tief vereinigt zu sein wie im Rosenkranzgebet. Maria lebt ganz in        Christus und in der Funktion Christi!</p>
<p class="justify"><em><strong>Mit Maria Christus bitten</strong> </em></p>
<p class="justify">16. Christus hat uns aufgetragen, uns mit Beharrlichkeit und        Vertrauen an Gott zu wenden, um Erhörung zu finden: ?Bittet, dann        wird euch gegeben; sucht, dann werdet ihr finden; klopft an, dann wird        euch geöffnet? (<em>Mt</em> 7, 7). Das Fundament dieser Kraft des        Gebetes ist die Güte des Vaters, aber auch die Mittlerschaft Christi vor        Gott (vgl. 1 <em>Joh </em> 2, 1) und das Wirken des Heiligen Geistes,        der ?für uns eintritt? nach dem Plane Gottes (vgl.<em> Röm</em> 8,        26-27). Tatsächlich ?wissen wir nicht, worum wir in rechter Weise        beten sollen? (<em>Röm</em> 8, 26) und manchmal werden wir nicht        erhört, weil wir ?schlecht bitten? (vgl. <em>Jak</em> 4, 2-3).</p>
<p class="justify">Zur Unterstützung unseres Betens, welches Christus und der        Geist in unserem Herzen hervorbringen, kommt uns Maria mit ihrer        mütterlichen Fürsprache zu Hilfe. ?Das Gebet der Kirche ist durch das        Gebet Marias wie getragen? .<sup>23 </sup> Tatsächlich ist es so, daß, wenn        Jesus, der einzige Mittler, der Weg unseres Gebetes ist, Maria, die ganz        durchlässig für ihn war, uns den Weg zeigt. ?Ausgehend von dieser        einzigartigen Mitwirkung Marias am Wirken des Heiligen Geistes haben die        Kirchen das Gebet zur heiligen Mutter Gottes entfaltet. Sie richteten        dieses Gebet ganz auf Christus aus, wie er sich in seinen Mysterien zeigt?        .<sup>24</sup> <sup> </sup> Gerade bei der Hochzeit zu Kana verdeutlicht das        Evangelium die Wirksamkeit der Fürbitte Marias, die sich bei Jesus zur        Sprecherin für menschliche Anliegen macht: ?Sie haben keinen Wein        mehr? (<em>Joh </em> 2, 3).</p>
<p class="justify">Der Rosenkranz ist gleichzeitig Betrachtung und Bittgebet.        Die beharrliche Anrufung der Mutter Gottes stützt sich auf das Vertrauen,        daß ihre mütterliche Fürsprache beim Herzen ihres Sohnes alles vermag. Sie        ist ?allmächtig aus Gnade?, wie der selige Bartolo Longo es in einer        kühnen Formulierung, die richtig verstanden werden muß, in seiner        <em>Supplica alla Vergine</em> formulierte.<sup>25 </sup> Dies ist eine        Sicherheit, die sich, ausgehend vom Evangelium, im gläubigen Volk im Laufe        der Zeit immer mehr gefestigt hat. Der große Dichter Dante hat dies, ganz        in der Meinung des heiligen Bernhard, in wunderbarer Weise formuliert,        wenn er singt: ?Du bist als Frau so groß und giltst so viel, / daß,        wer nach Gnade dürstend dich nicht anruft, / umsonst zu fliegen suchte,        ohne Flügel?.<sup>26</sup> <sup> </sup> Während wir im Rosenkranz zu Maria        flehen, stellt sie, das Heiligtum des Heiligen Geistes (vgl. <em>Lk</em> 1,        35), sich für uns vor den Vater, der sie mit Gnade erfüllt hat, und vor        den Sohn, der aus ihrem Schoß geboren wurde, um für uns und mit uns zu        beten.</p>
<p class="justify"><em><strong>Mit Maria Christus verkünden</strong> </em></p>
<p class="justify">17. Der Rosenkranz stellt ebenso einen <em>Weg der        Verkündigung </em> und der Vertiefung dar, auf dem sich das        Christusgeheimnis unaufhörlich auf den verschiedenen Ebenen der        christlichen Erfahrung vergegenwärtigt. Seine Struktur ist die der        betenden und betrachtenden Darstellung, die danach strebt, den Christen        nach dem Herzen Jesu Christi zu formen. In der Tat müssen beim        Rosenkranzgebet alle seine Elemente für eine gute Betrachtung entsprechend        geschätzt werden. Nur dann erwächst aus ihm, besonders beim        gemeinschaftlichen Gebet in den Pfarreien und an Wallfahrtsorten, eine        <em>bedeutende katechetische Möglichkeit</em> , die die Hirten zu nutzen        wissen sollten. Die Jungfrau des Rosenkranzes führt auch in dieser Weise        ihr Werk der Verkündigung Christi fort. Die Geschichte des Rosenkranzes        zeigt uns, wie gerade dieses Gebet in schwierigen Zeiten besonders von den        Dominikanern benutzt wurde, um die Kirche vor den sich verbreitenden        Häresien zu schützen. Heute stehen wir vor neuen Herausforderungen. Warum        nehmen wir den Rosenkranz nicht mit dem Glauben unserer Vorfahren in die        Hände? Der Rosenkranz bewahrt seine ganze Kraft und bleibt ein nicht zu        vernachlässigender Schatz für die pastorale Ausrüstung jeder guten        Glaubensverkündigung.</p>
<p class="justify"> </p>
<p align="center"><strong>ZWEITES KAPITEL </strong></p>
<p align="center"><strong>GEHEIMNISSE CHRISTI -<br />
GEHEIMNISSE DER MUTTER</strong>
</p>
<p class="justify"><em><strong>Der Rosenkranz: ?Kurzfassung des        Evangeliums?</strong> </em></p>
<p class="justify">18. In die Betrachtung des Antlitzes Christi werden wir        eingeführt, indem wir im Geist die Stimme des Vaters hören;        denn ?niemand kennt den Sohn, nur der Vater? (<em>Mt</em> 11, 27).        Auf das Bekenntnis des Petrus hin verdeutlicht Jesus im Gebiet von Cäsarea        Philippi den Ausgangspunkt für eine so klare Erkenntnis seiner        Identität: ?Nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern        mein Vater im Himmel? (<em>Mt</em> 16, 17). Also ist die Offenbarung        aus der Höhe notwendig. Um sie aufzunehmen, ist es unabdingbar        hinzuhören: ?Allein<em> die Erfahrung des Schweigens und des        Gebetes</em> bietet den geeigneten Horizont, in dem die wahrste, getreueste        und stimmigste Erkenntnis jenes Geheimnisses heranreifen und sich        entfalten kann?.<sup>27</sup></p>
<p class="justify">Der Rosenkranz ist einer der traditionellen Wege des        christlichen Gebetes, das sich der Betrachtung des Antlitzes Christi        widmet. Papst Paul VI. beschrieb ihn so: ?Als biblisches Gebet, in        dessen Mitte das Geheimnis der erlösenden Menschwerdung steht, ist der        Rosenkranz ganz klar auf Christus hin ausgerichtet. Auch sein        charakteristischstes Element, die litaneiartige Wiederholung des        &#8222;Gegrüßet seist du, Maria&#8221;, wird zu einem unaufhörlichen Lobpreis        Christi, um den es eigentlich bei der Verkündigung des Engels und dem Gruß        der Mutter des Täufers geht: &#8222;Gebenedeit ist die Frucht deines Leibes&#8221;        (<em>Lk</em> 1, 42). Wir möchten noch mehr sagen: die Wiederholung des<em> Ave Maria </em> ist der tragende Grund, auf dem sich die Betrachtung der        Geheimnisse entfaltet. Jener Jesus, den jedes<em> Ave Maria</em> erwähnt,        ist derselbe, den die Folge der einzelnen Geheimnisse uns vorstellt: Sohn        Gottes und der Jungfrau &#8230;? .<sup>28</sup></p>
<p class="justify"><em><strong>Eine angemessene Ergänzung</strong> </em></p>
<p class="justify">19. Von den vielen Geheimnissen des Lebens Christi führt der        Rosenkranz, so wie er in der allgemeinen Frömmigkeitspraxis entstanden ist        und von der kirchlichen Autorität bestätigt wurde, nur einige an. Diese        Auswahl ist durch die ursprüngliche Gebetskette vorgegeben, die sich        basierend auf der dem Psalterium entsprechenden Zahl 150 herausgebildet        hat.</p>
<p class="justify">Um den christologischen Gehalt dieses Gebetes deutlicher zu        machen, halte ich es für angebracht, eine angemessene Ergänzung        vorzunehmen, die auch die <em>Geheimnisse des öffentlichen Lebens zwischen        der Taufe und dem Leidensweg Christi</em> einbezieht, wobei ich es den        einzelnen und den Gemeinschaften überlasse, davon Gebrauch zu machen. In        der Tat können wir im Verlauf dieser Geheimnisse bedeutsame Aspekte der        Person Christi als dem endgültigen Offenbarer Gottes betrachten. Er ist        derjenige, der bei der Taufe im Jordan der geliebte Sohn des Vaters        genannt wurde, der das Kommen des Reiches verkündigt, es mit Werken        bezeugt und den daraus folgenden Anspruch kundtut. In den Jahren seines        öffentlichen Lebens <em>zeigt sich das Geheimnis Christi in besonderer        Weise als das Geheimnis des Lichtes: </em> ?Solange ich in der Welt        bin, bin ich das Licht der Welt? (<em>Joh </em> 9, 5).</p>
<p class="justify">Damit sich der Rosenkranz in einem umfassenderen Sinne des        Wortes ?Kompendium des Evangeliums? nennen kann, ist es        sinnvoll, die Betrachtung auch auf einige besonders bedeutende Momente des        öffentlichen Lebens Jesu zu lenken (<em>lichtreiche Geheimnisse</em> ). Diese        lassen sich nach dem Gedächtnis der Inkarnation und des verborgenen Lebens        Christi (<em>freudenreiche Geheimnisse</em> ) einordnen, und vor der        Betrachtung seines Erleidens der Passion (<em>schmerzhafte        Geheimnisse</em> ), auf die der Triumph der Auferstehung (<em>glorreiche        Geheimnisse</em> ) folgt. Ohne irgendeinem wesentlichen Aspekt des        traditionellen Aufbaus dieses Gebetes Abbruch tun zu wollen, ist die        Einbeziehung neuer Geheimnisse dazu bestimmt, daß der Rosenkranz mit einem        erneuten Interesse an der christlichen Spiritualität gelebt werden kann        und so eine wirkliche Einführung in die Tiefen des Herzens Jesu, den        Urgrund der Freude und des Lichtes, des Leidens und der Verherrlichung        wird.</p>
<p class="justify"><em><strong>Die freudenreichen Geheimnisse</strong> </em></p>
<p class="justify">20. Der erste Zyklus der &#8222;freudenreichen Geheimnisse&#8221; ist        tatsächlich von der Freude gekennzeichnet, <em>die vom Ereignis der        Menschwerdung ausgeht.</em> Das wird bereits deutlich in der Verkündigung,        wo sich der Gruß des Erzengels Gabriel an die Jungfrau von Nazareth mit        der Einladung zur messianischen Freude verbindet: ?Sei gegrüßt, du        Begnadete?. An diese Verkündigung lehnt die ganze Heilsgeschichte, ja in        gewisser Weise sogar die Weltgeschichte an. Wenn nämlich der Plan des        Vaters darin besteht, alles in Christus zu vereinen (vgl. <em>Eph</em> 1,        10), ist es das ganze Universum, das in gewisser Weise eingeholt wird von        der göttlichen Gunst, mit der sich der Vater über Maria neigt, um sie zur        Mutter seines Sohnes zu machen. Ihrerseits ist so die ganze Menschheit        eingeschlossen in dem<em> Fiat</em> , mit dem Maria unverzüglich dem Willen        Gottes entspricht.</p>
<p class="justify">Zum Frohlocken kommt es dann bei der Begegnung mit        Elisabeth, wo Marias Stimme und die Gegenwart Christi in ihrem Leib        Johannes ?vor Freude hüpfen läßt? (vgl. <em>Lk </em> 1, 44).        Erfüllt von Freude ist auch das Ereignis von Bethlehem, in der die Geburt        des göttlichen Kindes, des Heilands der Welt, von den Engeln besungen und        den Hirten als ?eine große Freude? (<em>Lk</em> 2, 10) verkündet        wird.</p>
<p class="justify">Obwohl sie noch den Tonfall der Freude tragen, nehmen die        beiden letzten Geheimnisse schon <em>die Zeichen des Dramas vorweg. </em> Die        Darstellung im Tempel drückt zwar die Freude über die Weihe aus und mündet        zugleich ein in den Jubel des alten Simeon, aber bemerkt auch die        Prophezeiung des ?Zeichens des Widerspruchs?, das das Kind für Israel        sein wird, und des Schwertes, das durch die Seele der Mutter dringen wird        (vgl. <em>Lk</em> 2, 34-35). Freudig und zugleich spannungsvoll ist auch die        Begebenheit des zwölfjährigen Jesus im Tempel. Er erscheint hier in seiner        göttlichen Weisheit, wie er zuhört und Fragen stellt, und schon ganz in        der Haltung dessen auftritt, der &#8222;lehrt&#8221;. Die Offenbarung seines        Geheimnisses, als Sohn ganz an den Willen des Vaters ergeben zu sein, ist        die Botschaft jener Radikalität des Evangeliums, die selbst die liebsten        menschlichen Bindungen in die Krise führt, angesichts des absoluten        Anspruchs des Evangeliums. Selbst Josef und Maria, voller Sorgen um den        Sohn, verstanden seine Worte nicht (vgl. <em>Lk</em> 2, 50).</p>
<p class="justify">Das Betrachten der freudenreichen Geheimnisse bedeutet        demnach ein Eintreten in die letzten Beweggründe und in die tiefe        Bedeutung der christlichen Freude. Dies bedeutet, das Augenmerk auf die        konkrete Wirklichkeit der Menschwerdung und auf die dunkle Vorankündigung        des heilbringenden Geheimnisses des Leidens Christi zu richten. Maria        führt uns dazu, das Geheimnis der christlichen Freude aufzunehmen, indem        sie uns daran erinnert, daß das Christentum vor allem<em> euangelion, </em> die ?gute Nachricht? ist, die ihren Mittelpunkt, besser        ihren ganzen Inhalt, in der Person Jesu Christi, im fleischgewordenen        Wort, dem einzigen Erlöser der Welt hat.</p>
<p class="justify"><em><strong>Die lichtreichen Geheimnisse</strong> </em></p>
<p class="justify">21. Wenn wir von der Kindheit und dem Leben in Nazareth zum        öffentlichen Wirken Jesu übergehen, führt uns die Betrachtung zu jenen        Geheimnissen, die in besonderer Weise &#8222;Geheimnisse des Lichtes&#8221; genannt        werden können. Tatsächlich ist <em>das ganze Geheimnis Christi Licht. </em> Er ist das ?Licht der Welt? (<em>Joh</em> 8, 12). Diese        Dimension kommt allerdings in den Jahren seines öffentlichen Auftretens        besonders zum Ausdruck, als er das Evangelium vom Reich verkündet. Im        Bemühen, der christlichen Gemeinde fünf bedeutungsvolle Momente dieser        Lebensphase Jesu &#8211; &#8222;lichtreiche&#8221; Geheimnisse &#8211; aufzuzeigen, erachte ich,        daß diese entsprechend ausgemacht werden können: 1. seine Taufe im Jordan,        2. seine Selbstoffenbarung bei der Hochzeit zu Kana, 3. seine Verkündigung        des Reiches Gottes mit dem Ruf zur Umkehr, 4. seine Verklärung und        schließlich 5. die Einsetzung der Eucharistie, der sakramentale Ausdruck        des Ostergeheimnisses.</p>
<p class="justify">Jedes dieser Geheimnisse ist <em>Offenbarung des Reiches, das        in der Person Jesu Christi schon eingetroffen ist.</em> Die Taufe im Jordan        ist ganz besonders ein Geheimnis des Lichtes. Während Jesus Christus, der        Unschuldige, der sich für uns zur &#8222;Sünde&#8221; macht (vgl. <em>2 Kor</em> 5,        21), in die Wasser des Flusses hinabsteigt, öffnet sich der Himmel und der        Vater proklamiert ihn als seinen geliebten Sohn (vgl.<em> Mt</em> 3, 17        par.). Der Geist läßt sich auf ihm nieder und überträgt ihm die erwartete        Mission. Der Beginn der Zeichen Christi in Kana (vgl.<em> Joh </em> 2, 1-12)        ist Geheimnis des Lichtes, wo er das Wasser in Wein verwandelt und auf die        Fürsprache Marias hin, der ersten aller Glaubenden, das Herz der Jünger        für den Glauben öffnet. Geheimnis des Lichtes ist die Predigt, mit der        Jesus das Kommen des Reiches Gottes ankündigt und zur Bekehrung aufruft        (vgl. <em>Mk</em> 1, 15), indem er denen die Sünden nachläßt, die sich ihm        mit demütigem Vertrauen nähern (vgl.<em> Mk </em> 2, 3-13;<em> Lk</em> 7,        47-48). Dies ist der Beginn des Dienstes des Erbarmens, den er bis zum        Ende der Welt auszuüben fortfährt, besonders durch das Sakrament der        Versöhnung, das er seiner Kirche anvertraut hat (vgl. <em>Joh </em> 20,        22-23). Geheimnis des Lichtes schlechthin ist die Verklärung, die sich        nach der Überlieferung auf dem Berg Tabor ereignet hat. Auf dem Antlitz        Christi erstrahlt göttliche Glorie, während der Gottvater ihn vor den        verzückten Aposteln beglaubigt, damit sie ?auf ihn hören? (vgl.        <em>Lk</em> 9, 35 par.) und sich darauf einstellen, mit ihm auch die        schmerzvollen Augenblicke seiner Passion zu leben, um mit ihm zur Freude        der Auferstehung und zu einem im Heiligen Geist verklärten Leben zu        gelangen. Geheimnis des Lichtes ist schließlich die Einsetzung der        Eucharistie, in der Christus sich mit seinem Leib und seinem Blut unter        den Gestalten von Brot und Wein zur Speise gibt und so der Menschheit        seine Liebe ?bis zur Vollendung? erweist (<em>Joh</em> 13, 1), zum        Heil derselben er sich im Opfer darbringt.</p>
<p class="justify">Die Präsenz Mariens bleibt in diesen Geheimnissen im        Hintergrund mit Ausnahme der Hochzeit zu Kana. Die Evangelien deuten        gelegentlich ihre Anwesenheit bei dieser oder jener Predigttätigkeit Jesu        an (vgl.<em> Mk</em> 3, 31-35; <em>Joh </em> 2, 12), aber sie schweigen        hinsichtlich einer eventuellen Teilnahme ihrerseits bei der Einsetzung der        Eucharistie im Abendmahlssaal. Die ihr in Kana zugefallene Aufgabe        begleitet jedoch in gewisser Weise den ganzen Weg Jesu. Die Offenbarung,        die bei der Taufe im Jordan direkt vom Vater ausgeht und in den Worten des        Täufers widerhallt, liegt zu Kana auf ihren Lippen und wird zu der großen        mütterlichen Ermahnung, die Maria an die Kirche aller Zeiten        richtet: ?Was er euch sagt, das tut!? (<em>Joh</em> 2, 5). Hier        finden wir die Mahnung, die die Worte und Zeichen Jesu während seines        ganzen öffentlichen Wirkens vorbereitet und somit den marianischen        Hintergrund aller &#8222;lichtreichen Geheimnisse&#8221; bildet.</p>
<p class="justify"><em><strong>Die schmerzhaften Geheimnisse</strong> </em></p>
<p class="justify">22. Die Evangelien messen den Geheimnissen des Leidens        Christi große Bedeutung zu. Immer schon hat sich die christliche        Frömmigkeit, besonders in der Fastenzeit, mittels der Übung des        <em>Kreuzweges </em> den einzelnen Momenten der Passion zugewandt, in denen        sie den <em>Höhepunkt der Offenbarung der Liebe </em> und die Quelle unseres        Heiles erahnt. Der Rosenkranz wählt einige Momente der Passion aus und        veranlaßt so den Betenden, den Blick seines Herzens darauf auszurichten        und danach zu leben. Der betrachtende Weg öffnet sich mit Getsemani, dort        wo Jesus einen besonders angstvollen Moment gegenüber dem Willen des        Vaters durchlebt, dem die Schwachheit des Fleisches sich zu widersetzen        versucht wäre. Dort, am Ort aller Versuchungen der Menschheit und        angesichts aller Sünden der Menschen nimmt es der Sohn auf sich, zum Vater        zu sagen: ?Nicht mein, sondern dein Wille soll geschehen? (<em>Lk </em> 22, 42 par.). Sein Ja stößt das Nein der Stammeltern von Eden um. Wie        viel ihn diese Einwilligung in den Willen des Vaters gekostet haben mag,        geht aus den folgenden Geheimnissen hervor, in denen er mit der Geißelung,        der Dornenkrönung, dem Weg nach Golgotha und schließlich seinem Kreuzestod        die tiefste Erniedrigung erleidet:<em> Ecce homo</em> !</p>
<p class="justify">In dieser Erniedrigung wird nicht nur die Liebe des Vaters        offenbar, sondern die Sinnhaftigkeit des Menschen. <em>Ecce homo</em> : wer        den Menschen erkennen will, muß den Sinn, die Wurzel und die Erfüllung        anerkennen, die ihm von Christus her eignet, von Gott, der sich aus Liebe        herabläßt ?bis zum Tod, ja bis zum Tod am Kreuz? (<em>Phil </em> 2,        8). Die schmerzhaften Geheimnisse führen den Glaubenden dazu, den Tod        Christi nachzuleben, indem er sich neben Maria unter das Kreuz stellt, um        mit ihr in die Tiefe der Liebe Gottes für den Menschen einzudringen und        daraus die ganze neubelebende Kraft zu erfahren.</p>
<p class="justify"><em><strong>Die glorreichen Geheimnisse</strong> </em></p>
<p class="justify">23. ?Die Betrachtung des Antlitzes Christi kann nicht        beim Bild des Gekreuzigten stehen bleiben. Er ist der        Auferstandene!?.<sup>29 </sup> Der Rosenkranz drückt schon immer diese        Glaubensgewißheit aus und lädt die Gläubigen dazu ein, über das Dunkel der        Passion hinauszugehen, um den Blick auf die Herrlichkeit Christi in        Auferstehung und Himmelfahrt zu richten. In der Betrachtung des        Auferstandenen entdeckt der Christ <em>die Gründe seines Glaubens </em> (vgl.        1 <em>Kor </em> 15, 14). Er erlebt nicht nur die Freude derjenigen, denen        sich der auferstandene Christus zeigte &#8211; den Aposteln, Maria von Magdala,        den Jüngern von Emmaus -, sondern auch die <em>Freude Marias</em> , die eine        nicht geringere Erfahrung der neuen Wirklichkeit ihres verherrlichten        Sohnes machen durfte. Zu dieser Herrlichkeit, die in der Himmelfahrt        Christus an die Rechte des Vaters setzt, wurde auch sie erhoben und        erlangte so das ganz außerordentliche Vorrecht, die bei der Auferstehung        des Fleisches allen Gerechten zugedachte Bestimmung voraushaben zu dürfen.        Schließlich wurde sie mit Herrlichkeit gekrönt &#8211; wie es im letzten        glorreichen Geheimnis aufscheint &#8211; und erstrahlt als Königin der Engel und        der Heiligen als Vorwegnahme und Höhepunkt der eschatologischen        Wirklichkeit der Kirche.</p>
<p class="justify">Im Mittelpunkt dieses Weges der Verherrlichung des Sohnes        und der Mutter steht im dritten Rosenkranzgeheimnis das Pfingstereignis,        welches das Angesicht der Kirche als einer mit Maria vereinten Familie        zeigt. Sie wird durch die kraftvolle Ausgießung des Heiligen Geistes        belebt und ist bereit, ihre Sendung der Glaubensverbreitung zu erfüllen.        Die Betrachtung dieses wie auch der anderen glorreichen Geheimnisse soll        in den Gläubigen das stets lebendigere Bewußtsein ihres neuen Lebens in        Christus stärken. Dabei stellt die Pfingstszene im Innenraum der        ekklesialen Wirklichkeit eine große &#8222;Ikone&#8221; dar. Die glorreichen        Geheimnisse nähren so in den Gläubigen die <em>Hoffnung auf das        eschatologische Ziel</em> , zu dem sie als Glieder des durch die Geschichte        pilgernden Gottesvolkes unterwegs sind. Dies kann sie nur zu einem mutigen        Zeugnis für die ?Frohe Botschaft? anspornen, die ihrer ganzen        Existenz Sinn verleiht.</p>
<p class="justify"><em><strong>Von den &#8222;Geheimnissen&#8221; zum &#8222;Geheimnis&#8221;: der Weg        Marias</strong> </em></p>
<p class="justify">24. Diese betrachtenden Schritte, wie sie im Rosenkranz        vorgeschlagen werden, schöpfen sicher nicht das ganze Geheimnis aus,        bringen aber die wesentlichen Punkte zum Ausdruck und verleihen dem Geist        den Geschmack einer Erkenntnis Christi, die sich ständig an der reinen        Quelle des biblischen Textes labt. Jeder einzelne von den Evangelisten        berichtete Lebensabschnitt Jesu erstrahlt in jenem Geheimnis, das alle        Erkenntnis übersteigt (vgl.<em> Eph</em> 3, 19). Es ist das Geheimnis des        fleischgewordenen Wortes, in dem ?wirklich die ganze Fülle Gottes        wohnt? (<em>Kol</em> 2, 9). Deshalb besteht der<em> Katechismus der        Katholischen Kirche </em> so sehr auf den Geheimnissen Christi, wenn er uns        daran erinnert, daß ?im Leben Jesu alles Zeichen seines innersten        Geheimnisses ist?.<sup>30 </sup> Das ?<em>Duc in altum</em> ? der        Kirche des dritten Jahrtausends bemißt sich an der Fähigkeit der        Christen, ?die tiefe und reiche Erkenntnis zu erlangen und das        göttliche Geheimnis zu erkennen, das Christus ist. In ihm sind alle        Schätze der Weisheit und Erkenntnis verborgen.? (<em>Kol</em> 2, 2-3).        Der brennende Aufruf des Epheserbriefes ergeht an jeden        Getauften: ?Durch den Glauben wohne Christus in euren Herzen. In der        Liebe verwurzelt und auf sie gegründet, sollt ihr zusammen mit allen        Heiligen dazu fähig sein, [...] die Liebe Christi zu verstehen, die alle        Erkenntnis übersteigt. So werdet ihr mehr und mehr von der ganzen Fülle        Gottes erfüllt? (3, 17-19).</p>
<p class="justify">Der Rosenkranz stellt sich in den Dienst dieses Ideals,        indem er das &#8222;Verborgene&#8221; darbietet, um sich leichter für eine tiefe und        eingängige Erkenntnis Christi zu öffnen. Wir könnten ihn den <em>Weg Marias </em> nennen. Er ist der modellhafte Weg der Jungfrau von Nazareth, der Frau        des Glaubens, des Schweigens und des Hörens. Zugleich ist dies der Weg        einer marianischen Frömmigkeit, die vom Bewußtsein der unzertrennlichen        Beziehung animiert ist, welche Christus mit seiner Mutter verbindet: die        <em>Geheimnisse Christi </em> sind in gewisser Weise auch die <em>Geheimnisse        der Mutter</em> ; dies gilt sogar für die Situationen, in denen sie nicht        direkt einbezogen ist, und zwar aufgrund der Tatsache, daß sie von ihm her        und für ihn lebt. Wenn wir uns die Worte des Erzengels Gabriel und der        heiligen Elisabeth im <em>Ave Maria</em> zu eigen machen, regt uns dieses        Gebet dazu an, stets aufs Neue bei Maria, auf ihren Armen und in ihrem        Herzen, die ?gebenedeite Frucht ihres Leibes? (vgl.<em> Lk </em> 1,        42) zu suchen.</p>
<p class="justify"><em><strong>Geheimnis Christi, &#8222;Geheimnis&#8221; des        Menschen</strong> </em></p>
<p class="justify">25. In meinem schon erwähnten Zeugnis von 1978 über den        Rosenkranz als meinem Lieblingsgebet, habe ich ein Bild gebraucht, zu dem        ich gerne zurückkehren möchte. Damals sagte ich, daß das ?schlichte        Gebet des Rosenkranzes den Rhytmus des menschlichen Lebens        bekommt?.<sup>31</sup></p>
<p class="justify">Im Licht der bisher erfolgten Überlegungen über die        Geheimnisse Christi ist es nicht schwer, diese <em>anthropologischen        Implikationen </em> des Rosenkranzes zu vertiefen. Dieser Bedeutungsinhalt        ist radikaler, als es am Anfang erscheinen mochte. Wer die Betrachtung        Christi entlang seiner verschiedenen Lebensabschnitte unternimmt, wird in        ihm auch die Wahrheit über den Menschen erfassen. Es ist die großartige        Feststellung des II. Vatikanischen Konzils, die ich seit der Enzyklika        <em><a  href="http://www.vatican.va/holy_father/john_paul_ii/encyclicals/documents/hf_jp-ii_enc_04031979_redemptor-hominis_ge.html">Redemptor        hominis</a> </em> in meinem Lehramt immer wieder aufgegriffen        habe: ?Tatsächlich klärt sich nur im Geheimnis des fleischgewordenen        Wortes das Geheimnis des Menschen wahrhaft auf?.<sup>32 </sup> Der        Rosenkranz hilft, sich diesem Licht zu öffnen. Beim Mitgehen des Weges        Christi, in dem der Weg des Menschen ?rekapituliert?,<sup>33</sup> enthüllt und erlöst wird, stellt sich der Gläubige dem Bild des wahren        Menschen. Die Geburt betrachtend erfährt er die Heiligkeit des Lebens; im        Blick auf das Haus von Nazareth erfaßt er die ursprüngliche Wahrheit über        die Familie nach dem Plan Gottes. Wo er dem Meister in den Geheimnissen        seines öffentlichen Wirkens folgt, kommt er mit dem Licht in Berührung, um        in das Reich Gottes einzutreten, und indem er den Weg zum Kalvarienberg        beschreitet, lernt er den Sinn des erlösenden Leidens kennen. Schließlich        betrachten wir Christus und seine Mutter in der Glorie des Himmels und        sehen das Ziel, zu dem jeder von uns berufen ist, wenn wir uns vom        Heiligen Geist heilen und verklären lassen. Man kann somit sagen, daß        jedes Rosenkranzgeheimnis, wenn wir es gut meditieren, Licht auf das        Geheimnis des Menschen wirft.</p>
<p class="justify">Gleichzeitig ist es dann ganz natürlich, zu einer Begegnung        mit der heiligen Menschheit des Erlösers die vielen Probleme, Drangsale,        Mühen und Vorhaben mitzunehmen, die unser Leben kennzeichnen. ?Wirf        deine Sorge auf den Herrn, er hält dich aufrecht? (<em>Ps</em> 55, 23).        Den Rosenkranz betrachtend zu beten bedeutet, unsere Anliegen dem        erbarmenden Herzen Jesu und dem seiner Mutter zu übergeben. Im Abstand von        fünfundzwanzig Jahren und im Rückblick auf die Prüfungen, die in meiner        Ausübung des petrinischen Dienstamtes nicht ausgeblieben sind, möchte ich        im Sinne einer an alle gerichteten herzlichen Einladung daran erinnern,        daß allen diese persönliche Erfahrung zuteil werden kann: Im Rosenkranz        schlägt wirklich der Rhythmus des menschlichen Lebens, um dieses mit dem        Rhythmus des göttlichen Lebens in der freudvollen Gemeinschaft der        Allerheiligsten Dreifaltigkeit, die die Bestimmung und Sehnsucht unserer        Existenz ist, in Einklang zu bringen.</p>
<p class="justify"> </p>
<p align="center"><strong>DRITTES KAPITEL</strong></p>
<p align="center"><strong> ?FÜR MICH IST CHRISTUS DAS LEBEN?</strong></p>
<p class="justify"><em><strong>Der Rosenkranz: Weg zur Aufnahme des        Geheimnisses</strong> </em></p>
<p class="justify">26. Der Rosenkranz stellt die Betrachtung der Geheimnisse        Christi mit einer charakteristischen Methode vor, die auf eine        Erleichterung ihrer Zueigenmachung ausgerichtet ist. <em>Diese Methode        beruht auf der Wiederholung. </em> Dies gilt insbesondere für das<em> Ave        Maria</em> , welches in jedem Gesätz zehnmal wiederholt wird. Bei einer        oberflächlichen Betrachtung dieser Wiederholungen könnte man versucht        sein, das Rosenkranzgebet als eine trockene und langweilige        Frömmigkeitsform anzusehen. Zu einer ganz andere Einschätzung hingegen        gelangen wir, wenn wir dieses Gebet als Ausdruck einer Liebe betrachten,        die nicht müde wird, sich der geliebten Person zuzuwenden. Obschon ähnlich        in der Ausdrucksform, ist dabei das Ausströmen der Liebe wegen der        Gefühle, die es durchdringt, stets neu.</p>
<p class="justify">In Christus hat Gott wirklich ein menschliches Herz        angenommen. Er hat nicht nur ein göttliches Herz, reich an Barmherzigkeit        und Vergebung, sondern auch ein menschliches Herz, fähig zu allen        Gefühlsregungen. Sollten wir dazu einen Belegtext aus dem Evangelium        benötigen, würde es nicht schwerfallen, diesen im bewegenden Gespräch        Christi mit Petrus nach der Auferstehung zu finden: ?Simon, Sohn des        Johannes, liebst du mich??. Dreimal stellt der Herr die Frage, dreimal        erfolgt die Antwort: ?Herr, du weißt, daß ich dich liebe!? (vgl.        <em>Joh</em> 21, 15-17). Über die spezifische Bedeutung dieses Abschnitts        für die Sendung des Petrus hinaus, kann niemandem die Schönheit dieser        dreifachen Wiederholung entgehen, in der sich die drängende Frage und die        entsprechende Antwort in einer Weise ausdrücken, die die allgemeine        Erfahrung menschlicher Liebe widerspiegeln. Um den Rosenkranz richtig zu        verstehen, müssen wir in die psychologische Eigendynamik der Liebe        eintreten.</p>
<p class="justify">Eine Sache ist klar: wenn sich die Wiederholung des<em> Ave        Maria </em> direkt an Maria wendet, dann richtet sich der Akt der Liebe mit        ihr und durch sie schließlich an Jesus. Die Wiederholung nährt sich aus        dem Verlangen nach einer immer vollkommeneren Gleichgestaltung mit        Christus, dem wahren ?Programm? des christlichen Lebens. Der        heilige Paulus hat dieses Programm mit flammenden Worten        dargelegt: ?Für mich ist Christus das Leben, und Sterben ein        Gewinn? (<em>Phil</em> 1, 21). Nochmals: ?Nicht mehr ich lebe,        sondern Christus lebt in mir? (<em>Gal</em> 2, 20). Der Rosenkranz        hilft uns, auf dem Weg des Gleichförmigwerdens mit Christus dem Ziel        entgegenzuwachsen, das in der Heiligkeit besteht.</p>
<p class="justify"><em><strong>Eine wirksame Methode &#8230;</strong> </em></p>
<p class="justify">27. Wir dürfen nicht überrascht sein, daß unsere        Christusbeziehung sich der Hilfe einer Methode bedienen kann. Gott teilt        sich dem Menschen in einer Weise mit, die unsere Natur und ihre vitalen        Rhythmen respektiert. Die christliche Frömmigkeit weiß um die sublimen        Formen mystischen Schweigens, in dem gewissermaßen alle Bilder, Worte und        Gebärden von der Intensität einer erhabenen Gottesbeziehung des Menschen        überstiegen werden. Dennoch kennzeichnet diese Spiritualität normalerweise        ein totales Hineingenommensein der Person in ihrer komplexen        psychisch-physischen und zwischenmenschlichen Wirklichkeit.</p>
<p class="justify">Dies scheint besonders in der <em>Liturgie </em> auf. Die        Sakramente und die Sakramentalien haben ihre Struktur in einer Abfolge von        Riten, die die verschiedenen Dimensionen des Menschen ansprechen. Auch das        nicht-liturgische Gebet entspricht dieser Notwendigkeit. Dies wird durch        die Tatsache bestätigt, daß im Osten das charakteristischste Gebet der        Christus-Betrachtung herkömmlicherweise dem Atemrhythmus folgt: ?Herr        Jesus Christus, Sohn Gottes, hab Erbarmen mit mir Sünder!? <sup>34 </sup> Gleichzeitig fördert es die Beharrlichkeit der Anrufung und verleiht        dem Wunsch, daß Christus selbst zum Atem, zur Seele und zum &#8222;alles&#8221; des        Lebens wird, gewissermaßen eine physische Dichte.</p>
<p class="justify"><em><strong>&#8230; die jedoch verbessert werden kann</strong> </em></p>
<p class="justify">28. Im Apostolischen Schreiben<em> <a  href="http://www.vatican.va/holy_father/john_paul_ii/apost_letters/documents/hf_jp-ii_apl_20010106_novo-millennio-ineunte_ge.html">Novo        millennio ineunte</a> </em> habe ich daran erinnert, daß es heute auch in        der westlichen Welt <em>eine neue Notwendigkeit der Betrachtung </em> gibt,        die zuweilen in anderen Religionen ziemlich gewinnende Ausdrucksformen        annimmt.<sup>35 </sup> Es fehlt nicht an Christen, die sich auf Grund        geringen Wissens um die kontemplative Gebetstradition des Christentums von        solchen Formen anziehen lassen. Obschon sie positive Elemente in sich        bergen, die manchmal die christliche Gebetserfahrung ergänzen, enthalten        diese Formen oftmals einen unannehmbaren ideologischen Hintergrund. Auch        in solchen Gebetsformen ist eine Methodologie sehr beliebt, die sich mit        dem Ziel hoher geistlicher Konzentration Techniken psychisch-physischer,        wiederholender und symbolischer Natur bedient. Der Rosenkranz läßt sich in        dieses Bild weltweit verbreiteter religiöser Phänomene einordnen, jedoch        bietet er sich mit eigenen Merkmalen dar, die den typischen Anforderungen        der Besonderheit des Christentums entsprechen.</p>
<p class="justify">Der Rosenkranz ist in Wahrheit nur eine <em>Methode der        Betrachtung. </em> Als Methode muß er in Bezug auf das Ziel verwendet werden        und kann nicht selbst zum Ziel werden. Als Frucht jahrhundertealter        Erfahrung darf jedoch auch die Methode nicht unterschätzt werden. Die        Erfahrung unzähliger Heiliger spricht für sie. Dies heißt jedoch nicht,        daß sie nicht verbessert werden könnte. Genau darauf hin zielt die        Ergänzung des Rosenkranzes durch einen Zyklus von Geheimnissen, die neuen        Gesätze der<em> mysteria lucis</em> , die ich in diesem Schreiben zusammen        mit einigen Hinweisen für das Beten des Rosenkranzes vorschlagen möchte.        Obgleich ich die weithin gefestigte Struktur dieses Gebetes        aufrechterhalte, möchte ich den Gläubigen helfen, mit den neuen Gesätzen        das Rosenkranzgebet auf seiner symbolischen Ebene zu begreifen, in        Übereinstimmung mit den Anforderungen, die das tägliche Leben an uns        stellt. Ohne dies besteht die Gefahr, daß das Gebet nicht nur die        gewünschten geistlichen Früchte nicht hervorbringt, sondern daß die        Perlenschnur, mit der man den Rosekranz zu rezitieren pflegt, schließlich        einem Amulett oder einem magischen Gegenstand gleicht, in radikaler        Entstellung seiner Bedeutung und seiner Funktion.</p>
<p class="justify"><em><strong>Die Nennung des Rosenkranzgeheimnisses</strong> </em></p>
<p class="justify">29. Die Nennung des jeweiligen Rosenkranzgesätzes, die        möglicherweise mit der Betrachtung einer bildlichen Darstellung seines        Inhaltes einhergehen kann, gleicht dem <em>Öffnen einer Szene</em> , auf die        sich die Aufmerksamkeit konzentriert. Die Worte führen die        Vorstellungskraft und den Geist zum betreffenden Ereignis oder Moment im        Leben Christi. In der Spiritualität, die sich in der Kirche herausgebildet        hat, berufen sich sowohl die Verehrung heiliger Bilder als auch die        anderen an sinnlichen Elementen reichen Frömmigkeitsformen, wie ebenso die        vom heiligen Ignatius von Loyola in seinen geistlichen Exerzitien        vorgeschlagene Methode auf die Seh- und Vorstellungskraft (<em>compositio        loci</em> ), die als große Hilfe zur Förderung der Konzentration der Seele        auf das zu betrachtende Geheimnis beurteilt werden. Es handelt sich hier        übrigens um eine Methodologie, die <em>der Logik der Menschwerdung selbst        entspricht: </em> Gott wollte in Jesus menschliche Züge annehmen. Durch        diese seine körperliche Wirklichkeit werden wir dazu angeleitet, mit        seinem göttlichen Geheimnis in Kontakt zu treten.</p>
<p class="justify">Auch die Nennung der verschiedenen Rosenkranzgeheimnisse        versucht diesem konkreten Anliegen zu entsprechen. Sie ersetzen gewiß        nicht das Evangelium, noch rufen sie uns alle seine Seiten in Erinnerung.        Der Rosenkranz ersetzt daher auch nicht die <em>lectio divina</em> , die sie,        ganz im Gegenteil, voraussetzt und anregt. Auch wenn die im Rosenkranz        meditierten Geheimnisse mit der Ergänzung der<em> mysteria lucis </em> sich        auf die Grundzüge des Lebens Christi beschränken, gelingt es der Seele        leicht, über den Rest des Evangeliums zu schweifen, vor allem wenn der        Rosenkranz in gewissen Momenten ausgedehnter innerer Sammlung gebetet        wird.</p>
<p class="justify"><em><strong>Das Hören auf Gottes Wort</strong> </em></p>
<p class="justify">30. Um der Meditation eine biblische Grundlage und größere        Tiefe zu geben, ist es sinnvoll, daß der Ansage des Rosenkranzgesätzes die        <em>Verkündigung eines passenden Bibelabschnittes </em> folgt. Dieser kann je        nach den Umständen mehr oder weniger ausgedehnt sein. Andere Texte        erreichen sicherlich nie die dem inspirierten Wort innewohnende        Wirksamkeit. Dieses muß mit der Gewißheit vernommen werden, daß es Wort        Gottes ist, das in das Heute hinein und ?für mich? verkündet        wird.</p>
<p class="justify">So aufgenommen, geht das Wort Gottes in die        Wiederholungsmethodologie des Rosenkranzbetens ein, ohne Langeweile        hervorzurufen, die durch den Verweis auf eine bereits gut bekannte        Information entstehen könnte. Es handelt sich nicht um ein erneutes in        Erinnerung bringen einer Information, sondern vielmehr um das <em>Sprechen        lassen Gottes. </em> Zu manchen Anlässen des feierlichen und        gemeinschaftlichen Gebetes kann dieses Wort in angebrachter Weise durch        einen kurzen Kommentar erläutert werden.</p>
<p class="justify"><em><strong>Die Stille</strong> </em></p>
<p class="justify">31. <em>Das Hören und die Meditation nähren sich von der        Stille. </em> Es ist angemessen, nach der Ankündigung des        Rosenkranzgeheimnisses und nach der Wortverkündigung eine Zeit lang        innezuhalten und den Blick auf das zu betrachtende Gesätzchen zu richten,        bevor das hörbare Beten ansetzt. Die Wiederentdeckung des Wertes der        Stille ist eines der Geheimnisse in der Übung der Kontemplation und der        Meditation. Die Tatsache, daß Stille heute immer schwieriger wird, gehört        zu den Grenzen einer stark technisierten und durch die Massenmedien        geprägten Gesellschaft. Wie in der Feier der Liturgie Momente der Stille        angebracht sind, so erscheint es auch beim Beten des Rosenkranzes        sinnvoll, nach dem Hören des Wortes Gottes eine kurze Pause zu machen,        damit sich die Seele auf den Inhalt eines bestimmten Geheimnisses besinnen        kann.</p>
<p class="justify"><em><strong>Das ?Vaterunser?</strong> </em></p>
<p class="justify">32. Nach dem Hören des Wortes und der Besinnung auf das        Geheimnis <em>erhebt sich naturgemäß die Seele zum Vater. </em> Jesus führt        uns in jedem einzelnen seiner Mysterien zum Vater, auf den er beständig        hingewendet ist, weil er an seinem &#8222;Herzen&#8221; ruht (vgl.<em> Joh</em> 1,18).        Er will uns in die Vertrautheit mit dem Vater einführen, so daß wir mit        ihm ?Abba, Vater? sagen können (<em>Röm </em> 8, 15;<em> Gal</em> 4,        6). Es ist in der Verbindung mit dem Vater, daß Er uns zu seinen Brüdern        und zu Brüdern untereinander macht, indem er uns den Geist mitteilt, der        zugleich der seinige und der des Vaters ist. Das sich beim<em> Ave        Maria</em> wiederholende ?Vaterunser? bildet gleichsam das        Fundament dieser christologisch &#8211; marianischen Betrachtung und verleiht        der Meditation des Geheimnisses selbst beim Beten in Einsamkeit eine        kirchliche Dimension.</p>
<p class="justify"><em><strong>Die zehn ?Gegrüßet seist du Maria?</strong> </em></p>
<p class="justify">33. Dieser Teil ist der umfangreichste des Rosenkranzes und        macht ihn im Gesamt zu einem <em>marianischen Gebet par excellence</em> .        Gerade im Licht des recht verstandenen<em> Ave Maria</em> läßt sich jedoch        mit Klarheit feststellen, daß der marianische Charakter dem        christologischen nicht nur nicht entgegensteht, sondern &#8211; im Gegenteil &#8211;        ihn unterstreicht und hervorhebt. Der erste Teil des<em> Ave Maria</em> , der        sich aus den Worten des Erzengels Gabriel und der heiligen Elisabeth an        Maria herleitet, ist in der Tat eine anbetende Betrachtung des        Geheimnisses, das sich in der Jungfrau von Nazareth erfüllt. Diese Worte        drücken sozusagen die Bewunderung des Himmels und der Erde aus und lassen        in gewisser Weise die Freude Gottes selbst durchscheinen, wenn er sein        Meisterwerk &#8211; die Menschwerdung des Sohnes im jungfräulichen Schoß Marias        &#8211; betrachtet, im Sinne jenes freudigen Blickes der Genesis (vgl.<em> Gen</em> 1, 31), jenes ursprünglichen <em> ?pathos</em> , mit welchem        Gott, am Anfang der Schöpfung das Werk seiner Hände betrachtete?.<sup>36 </sup> Das wiederholte <em>Ave Maria</em> des Rosenkranzes bringt uns an die        Freude Gottes heran: es ist Jubel, Staunen und Dankbarkeit für das größte        Wunder der Geschichte. Es ist die Erfüllung der Verheißung, die an Maria        ergangen ist: ?Siehe, von nun an preisen mich selig alle        Geschlechter? (<em>Lk </em> 1, 48).</p>
<p class="justify">Der Mittelpunkt des <em>Gegrüßet seist du Maria</em> ,        gleichsam das Scharnier zwischen dem ersten und dem zweiten Teil, ist der        <em>Name Jesus. </em> Manchmal geschieht es, vor allem in einer hastigen        Betweise, daß dieser Mittelpunkt entweicht und mit ihm auch der Kontakt        zum Mysterium, welches man soeben betrachtet. Gerade die Betonung, die man        dem Namen Jesu und seinem Geheimnis beimißt, macht jedoch ein        bedeutungsvolles und fruchtbares Beten des Rosenkranzes aus. Papst Paul        VI. erinnerte bereits im Apostolischen Schreiben<em> Marialis cultus </em> daran, daß es in einigen Gegenden den Brauch gibt, den Namen Jesu        hervorzuheben, indem man eine Anrufung des Gesätzes, welches man gerade        betrachtet, einfügt.<sup>37 </sup> Dies ist ein lobenswerter Brauch,        besonders beim gemeinsamen Gebet. Er drückt kraftvoll den christologischen        Glauben aus, der sich den verschiedenen Momenten im Leben des Erlösers        zuwendet. Dies ist <em>Bekenntnis des Glaubens</em> und gleichzeitig eine        Hilfe, um die Betrachtung wach zu halten. So kann die der Wiederholung        des<em> Ave Maria</em> innewohnende assimilierende Funktion in Bezug auf das        Christusgeheimnis gelebt werden. Einen Weg der Assimilierung, der darauf        abzielt, uns immer tiefer in das Leben Christi eintreten zu lassen, bildet        die Wiederholung des Namens Jesu &#8211; der einzige Name, der uns gegeben ist,        durch den wir gerettet werden sollen (vgl.<em> Apg </em> 4, 12) &#8211; verflochten        mit jenem der Allerseligsten Mutter. Dabei lassen wir gleichsam zu, daß        sie uns diesen Namen eingibt.</p>
<p class="justify">Sodann ergibt sich aus der ganz besonderen        Christusbeziehung, die Maria, die Mutter Gottes, die <em>Theotňkos</em> ,        werden ließ, die Kraft der Bitte, mit der wir uns im zweiten Teil des        Gebetes an sie wenden, indem wir ihrer mütterlichen Fürsprache unser Leben        und die Stunde unseres Todes anvertrauen.</p>
<p class="justify"><em><strong>Das ?Gloria?</strong> </em></p>
<p class="justify">34. Die trinitarische Doxologie ist der Zielpunkt der        christlichen Kontemplation. Christus ist tatsächlich der Weg, der uns im        Geist zum Vater führt. Wenn wir diesen Weg bis zum Ende durchlaufen,        finden wir uns immerfort vor dem Geheimnis der drei göttlichen Personen        wieder, die wir loben, anbeten und denen wir danken. Es ist wichtig, daß        das <em>Gloria</em> , der <em>Höhepunkt der Kontemplation</em> , beim        Rosenkranzbeten gut hervorgehoben wird. Beim öffentlichen Beten könnte es        auch gesungen werden, um so der tragenden Struktur und Perspektive eines        jeden christlichen Gebetsvollzugs geeigneten Nachdruck zu verleihen.</p>
<p class="justify">Die trinitarische Verherrlichung in jedem Rosenkranzgesätz        erhält, ohne sich auf eine schnelle Beendigung zu beschränken, eine        entsprechende kontemplative Tonlage, und zwar in dem Maße, in dem die        Betrachtung des Geheimnisses &#8211; von <em>Ave</em> zu <em>Ave </em> &#8211; durch die        Liebe zu Christus und zu Maria aufmerksam, vertieft und wiederbelebt wird.        So als ob der Geist sich zur Höhe des Paradieses erhebt und uns in        gewisser Weise die Erfahrung von Tabor, die Vorwegnahme der zukünftigen        Schauung wieder erleben läßt: ?Es ist gut, daß wir hier        sind? (<em>Lk</em> 9, 33).</p>
<p class="justify"><em><strong>Das abschließende Stoßgebet</strong> </em></p>
<p class="justify">35. Nach der geläufigen Praxis des Rosenkranzgebetes folgt        auf die trinitarische Schlußformel ein Stoßgebet, daß je nach Gewohnheit        verschieden ist. Ohne etwas vom Wert dieser Anrufungen wegnehmen zu        wollen, scheint es angebracht zu betonen, daß die Betrachtung der        Geheimnisse ihre ganze Fruchtbarkeit besser entfalten kann, wenn darauf        geachtet wird, daß jedes Gesätz mit einem <em>Gebet endet, das darauf        ausgerichtet ist, die besonderen geistlichen Früchte aus der Betrachtung        des jeweiligen Geheimnisses zu gewinnen.</em> In diesem Sinn wird das        Rosenkranzgebet noch wirksamer in Verbindung zum christlichen Leben        stehen. So schlägt es ein schönes Gebet aus der Liturgie vor, welches uns        einlädt, durch die Betrachtung der Geheimnisse des Rosenkranzes        das ?nachzuahmen, was sie enthalten und zu erlangen, was sie        verheißen?.<sup>38</sup></p>
<p class="justify">Das abschließende Gebet kann, wie bereits üblich,        legitimerweise vielfältige Formen annehmen. So paßt sich das        Rosenkranzgebet auch an die unterschiedlichen geistlichen Traditionen in        den verschiedenen christlichen Gemeinschaften an. In dieser Perspektive        ist es wünschenswert, daß die besten Formulierungsvorschläge mit        gebührender pastoraler Klugheit Verbreitung finden. Dazu sind die        Erfahrungen in marianischen Zentren und Wallfahrtsorten dienlich, in denen        dem Rosenkranz ein besonderer Stellenwert zukommt, so daß sich das Volk        Gottes des ganzen echten geistlichen Reichtums erfreuen und daraus Nahrung        für die eigene Betrachtung erlangen kann.</p>
<p class="justify"><em><strong>Die Perlenschnur des Rosenkranzes</strong> </em></p>
<p class="justify">36. Das gebräuchliche Hilfsmittel für das Rosenkranzgebet        ist die Perlenschnur. In einer eher oberflächlichen Sichtweise ist sie        lediglich ein Gegenstand zum Zählen der aufeinanderfolgenden<em> Ave        Maria</em> . Jedoch hat sie auch eine symbolische Bedeutung. Sie kann dazu        beitragen, der Betrachtung eine noch tiefere Innigkeit zu verleihen.</p>
<p class="justify">Diesbezüglich ist erstens festzuhalten, daß <em>der        Rosenkranz auf das Kreuz hin zusammenläuft</em> , das somit den Weg des        Gebetes selbst eröffnet und abschließt. In Christus finden Leben und Gebet        der Gläubigen ihren Mittelpunkt. Alles geht von ihm aus, alles strebt zu        ihm hin, alles führt durch ihn im Heiligen Geist zum Vater.</p>
<p class="justify">Als Hilfsmittel zum Zählen der fortlaufenden Gebetselemente        erinnert uns der Rosenkranz an den beharrlichen Weg der christlichen        Kontemplation und Vervollkommnung. Der selige Bartolo Longo sah in ihm        auch eine &#8222;Kette&#8221;, die uns an Gott bindet. Eine Kette, aber eine süße        Kette, die uns immer die Beziehung zu einem Gott offenlegt, der unser        Vater ist. Er ist die Kette der Kindschaft, die uns in Einklang mit Maria,        der ?Magd des Herrn? (<em>Lk </em> 1, 38) bringt und schließlich        mit Christus selbst verbindet, der, obwohl er Gott gleich war, aus Liebe        zu uns zum ?Sklaven? wurde (vgl.<em> Phil</em> 2, 7).</p>
<p class="justify">Es ist schön, diese symbolische Bedeutung der Perlenschnur        des Rosenkranzes auf unsere zwischenmenschlichen Beziehungen auszuweiten        und darin das Band der Gemeinschaft und der Brüderlichkeit zu erkennen,        das alle in Christus vereint.</p>
<p class="justify"><em><strong>Der Beginn und das Ende</strong> </em></p>
<p class="justify">37. Entsprechend den kirchlichen Gebräuchen sind in der        gegenwärtigen Praxis die Einführungsgebete des Rosenkranzes        verschiedenartig. In einigen Gebieten pflegt man ihn mit der Anrufung des        Psalmes 70 zu beginnen: ?O Gott, komm mir zu Hilfe; Herr, eile mir zu        helfen?, um im Beter das demütige Bewußtsein seiner Bedürftigkeit zu        nähren. Anderswo hingegen beginnt das Rosenkranzgebet mit dem<em> Credo</em> , um das Glaubensbekenntnis dem Betrachtungsweg sozusagen als        Grundlage voranzustellen. Diese und ähnliche Gebetsweisen sind        gleichermaßen berechtigt, insofern sie den Geist gut auf die Betrachtung        einzustimmen vermögen. Der Rosenkranz schließt mit dem Gebet in der        Meinung des Heiligen Vaters ab. Er weitet so den Blick des Betenden auf        den umfassenden Rahmen kirchlicher Anliegen und Nöte. Um dem Rosenkranz        gerade diese gesamtkirchliche Blickrichtung zu geben, wollte die Kirche        ihn mit Ablässen für diejenigen versehen, die ihn in der richtigen Absicht        beten.</p>
<p class="justify">So gesehen wird das Rosenkranzgebet tatsächlich zu einem        wahren geistlichen Weg, auf dem Maria sich zur Mutter, Lehrerin und        Führerin macht, um die Gläubigen mit ihrer mächtigen Fürbitte zu        unterstützen. Es ist also nicht verwunderlich, daß der Geist am Ende        dieses Gebetes, in dem er die Mütterlichkeit Mariens so inniglich erfahren        durfte, sich gedrängt fühlt, im Lob an die heilige Jungfrau aufzugehen.        Sei es im herrlichen Gebet des<em> Salve Regina</em> , oder in jenem der<em> Lauretanischen Litanei. </em> Der Rosenkranz krönt einen inneren Weg, der        die Gläubigen in lebendigen Kontakt mit dem Geheimnis Christi und seiner        heiligsten Mutter gebracht hat.</p>
<p class="justify"><em><strong>Die Aufteilung in der Zeit</strong> </em></p>
<p class="justify">38. Der Rosenkranz kann jeden Tag ganz gebetet werden. Nicht        wenige tun dies lobenswerterweise. Er dient dazu, den Tageslauf vieler        kontemplativer Menschen im Gebet zu erfüllen; ebenso ist er ein Begleiter        der kranken und alten Menschen, die ausreichend über Zeit verfügen.        Andererseits ist es klar, daß viele Menschen nur einen Teil des        Rosenkranzes entsprechend einer bestimmten wöchentlichen Ordnung beten        können. Dies gilt umso mehr angesichts der Hinzufügung der neuen        <em>lichtreichen Geheimnisse</em> . Diese wöchentliche Einteilung verleiht        letztendlich den verschiedenen Tagen der Woche eine gewisse geistliche        &#8222;Färbung&#8221;, analog zu den verschiedenen Zeiten des liturgischen  Jahres.</p>
<p class="justify">Nach der üblichen Praxis sind Montag und Donnerstag den        freudenreichen Geheimnissen, Dienstag und Freitag den schmerzhaften        Rosenkranzgesätzen, sowie Mittwoch, Samstag und Sonntag den glorreichen        Geheimnissen gewidmet. Wo sollen nun die ?lichtreichen        Rosenkranzgeheimnisse? eingefügt werden? Unter der Rücksicht, daß die        glorreichen Geheimnisse sich in der Abfolge von Samstag und Sonntag direkt        wiederholen und der Samstag traditionell als ein Tag besonderer        Marienverehrung begangen wird, scheint es zweckmäßig, die zweite        wöchentliche Betrachtung der freudenreichen Gesätze auf den Samstag zu        verschieben, in denen die Gegenwart Marias am stärksten betont ist. So        bleibt der Donnerstag für die Betrachtung der lichtreichen Geheimnisse        frei.</p>
<p class="justify">Diese Anleitung beabsichtigt allerdings keine Einschränkung        der gebührenden Freiheit in der persönlichen und gemeinschaftlichen        Betrachtung, die sich an den spirituellen und pastoralen Bedürfnissen        sowie vor allem an den liturgischen Feiern ausrichtet, die entsprechende        Anpassungen nahelegen können. Wirklich wichtig ist, daß der Rosenkranz        immer besser als betrachtende Wegstrecke erfaßt und erfahren wird. In        liturgieergänzender Weise prägt die Rosenkranzbetrachtung die Woche des        Christen, deren Angelpunkt der Sonntag, der Tag der Auferstehung, ist. Sie        wird zu einem Weg, auf dem wir die Geheimnisse des Lebens Christi        durchschreiten, der sich im Leben seiner Jünger als Herr von Zeit und        Geschichte erweist.</p>
<p class="justify"> </p>
<p align="center"><strong>SCHLUSS</strong></p>
<p class="justify"><strong>?<em>Gebenedeiter Rosenkranz Mariens,<br />
süße Kette, die        uns an Gott bindet</em> ?</strong>
</p>
<p class="justify">39. Die bisherigen Überlegungen geben den Reichtum dieses        althergebrachten Gebetes ausführlich wieder, das die Einfachheit eines        Volksgebetes mit der theologischen Tiefe eines Gebetes verbindet, welches        sich für Menschen eignet, die die Notwendigkeit einer reiferen Betrachtung        spüren.</p>
<p class="justify">Die Kirche hat diesem Gebet stets eine besondere Wirksamkeit        zugesprochen. Sie legt die schwersten Anliegen vertrauensvoll in das        gemeinsame und beharrliche Beten des Rosenkranzes hinein. In Zeiten, in        denen die Christenheit selbst bedroht war, hat dieses Gebet zur Errettung        aus Gefahr beigetragen und die Jungfrau vom Heiligen Rosenkranz wurde als        Mittlerin zum Heil verehrt.</p>
<p class="justify">Gerne anempfehle ich der Wirksamkeit dieses Gebetes &#8211; wie        ich eingangs erwähnt habe &#8211; die Bitte um den Frieden in der Welt und die        Anliegen der Familien.</p>
<p class="justify"><em><strong>Der Friede</strong> </em></p>
<p class="justify">40. Die Probleme, die die Bühne der Welt zu Beginn dieses        neuen Jahrtausends zeigt, bringen uns auf den Gedanken, daß nur ein        Eingriff von oben &#8211; der die Herzen all jener, die in Konfliktsituationen        leben, zu lenken vermag, und all derer, denen die Führung der Geschicke        der Nationen obliegt &#8211; auf eine weniger dunkle Zukunft hoffen läßt.</p>
<p class="justify"><em>Seiner Natur nach ist der Rosenkranz auf den Frieden        ausgerichtet.</em> <em> </em> Dies ergibt sich aus der Tatsache, daß dieses        Gebet in der Betrachtung Christi des Fürsten des Friedens besteht,        der ?unser Friede? ist (<em>Eph</em> 2, 14). Wer das        Christusgeheimnis verinnerlicht &#8211; und genau darauf zielt der Rosenkranz ab        -, eignet sich das Geheimnis des Friedens an und macht es zu seinem        Lebensentwurf. Kraft seines meditativen Charakters übt das Rosenkranzgebet        ferner in der ruhigen Abfolge des<em> Ave Maria </em> auf den Beter selbst        einen friedensstiftenden Einfluß aus. Es disponiert ihn für das Empfangen        und das Erfahren seines Seins in der Tiefe und macht ihn bereit, den        wahren Frieden, der das besondere Geschenk des Auferstandenen ist (vgl.<em> Joh</em> 14, 17; 20, 21), in seiner Umgebung weiterzuschenken.</p>
<p class="justify">Sodann ist der Rosenkranz Friedensgebet auch aufgrund der        Früchte der Liebe, die er hervorbringt. Wenn er als eigentliche Meditation        gut gebetet wird, weist der Rosenkranz, indem er die Begegnung mit        Christus in seinen Geheimnissen fördert, auf das Antlitz Christi in den        Brüdern hin, vor allem auf das in denen, die sehr leiden müssen. Wie        könnten wir bei der Betrachtung der freudenreichen Geheimnisse das zu        Bethlehem geborene Kind anschauen, ohne vom Wunsch erfüllt zu sein, das        Leben aufzunehmen, zu verteidigen und zu fördern, sowie uns der Leiden der        Kinder in vielen Teilen der Welt anzunehmen? Wie könnten wir Christus, dem        Offenbarer, in den lichtreichen Geheimnissen nachgehen, ohne daß wir uns        vornehmen, seine Seligpreisungen im täglichen Leben zu bezeugen? Und wie        könnten wir den mit dem Kreuz beladenen und gekreuzigten Christus        betrachten, ohne daß wir uns gedrängt fühlen, selbst zum Simon von Cyrene        für jeden Bruder zu werden, der erschöpft von Krankheit oder überwältigt        von der Hoffnungslosigkeit ist? Wie könnten wir schließlich die Augen auf        die Herrlichkeit des auferstandenen Christus und auf die zur Königin        gekrönten Maria gerichtet halten, ohne den Wunsch zu verspüren, diese Welt        schöner und gerechter zu machen und sie dem Plan Gottes näher zu        bringen?</p>
<p class="justify">Indem der Rosenkranz uns den Blick auf Christus richten        läßt, macht er uns also auch zu Friedensstiftern in der Welt. Weil er in        besonderer Weise ein inständiges und gemeinsames Bittgebet ist, das im        Einklang mit der Aufforderung Christi steht, allezeit zu beten ?und        darin nicht nachzulassen? (vgl.<em> Lk</em> 18, 1), erfüllt er uns mit        der Hoffnung, daß auch heute eine so schwierige &#8222;Schlacht&#8221;, wie die des        Friedens gewonnen werden kann. Weit davon entfernt eine Flucht vor den        Problemen dieser Welt zu sein, drängt uns der Rosenkranz, diese mit den        Augen der Verantwortung und des Großmutes zu betrachten.</p>
<p class="justify">Er erwirkt uns die Kraft, uns der Probleme in der Gewißheit        göttlicher Hilfe und mit dem festen Vorsatz zuzuwenden, unter allen        Umständen die Liebe zu bezeugen, die ?das Band ist, das alles        vollkommen macht? (<em>Kol</em> 3, 14).</p>
<p class="justify"><em><strong>Die Familie: die Eltern&#8230;</strong> </em></p>
<p class="justify">41. Als Gebet um den Frieden ist der Rosenkranz auch und        schon immer das <em>Gebet der Familie und für die Familie.</em> Früher war        dieses Gebet den christlichen Familien besonders teuer und hat sicherlich        die Eintracht unter ihren Gliedern gefördert. Dieses kostbare Erbe darf        nicht verlustig gehen. Es tut Not, zum Beten in der Familie und zum Gebet        für die Familien zurückzukehren, indem gerade von dieser Gebetsform        Gebrauch gemacht wird.</p>
<p class="justify">Im Apostolischen Schreiben<em> <a  href="http://www.vatican.va/holy_father/john_paul_ii/apost_letters/documents/hf_jp-ii_apl_20010106_novo-millennio-ineunte_ge.html">Novo        millennio ineunte</a> </em> habe ich dazu ermutigt, daß die Feier des        Stundengebetes auch von den Laien im gewöhnlichen Leben der Pfarrgemeinden        oder in verschiedenen christlichen Gruppen<sup>39 </sup> vollzogen wird.        Dasselbe wünsche ich auch für das Rosenkranzgebet. Hierbei handelt es sich        nicht um zwei alternative Vorschläge, sondern um zwei einander ergänzende        Wege der christlichen Betrachtung. Deshalb bitte ich all jene, die sich in        der Familienseelsorge engagieren, mit Überzeugung zum Rosenkranzgebet        anzuregen.</p>
<p class="justify"><em>Eine Familie, die vereint betet, bleibt eins. </em> Seit        altersher wird der Rosenkranz in besondererWeise als Gebet gepflegt, zu        dem sich die Familie versammelt. Indem die einzelnen Familienmitglieder        ihren Blick auf Jesus richten, werden sie befähigt, sich stets aufs Neue        in die Augen zu schauen, miteinander zu sprechen, füreinander einzustehen,        sich gegenseitig zu vergeben und in einem durch den Heiligen Geist        belebten Liebesbündnis wieder neu zu beginnen.</p>
<p class="justify">Viele Probleme der heutigen Familien, insbesondere in der        wirtschaftlich hochentwickelten Gesellschaft, hängen damit zusammen, daß        die Kommunikation untereinander immer schwieriger wird. Es gelingt nicht        mehr, gemeinsam Zeit zu verbringen, und sogar jene wenigen Augenblicke des        Zusammenseins werden von den Bildern des Fernsehens beherrscht. Die        Wiederbelebung des Rosenkranzgebetes in der Familie bedeutet, ganz andere        Bilder in das alltägliche Leben hineinzulassen, und zwar die der        Heilsmysterien: das Bild des Erlösers, das Bild seiner heiligsten Mutter.        Die Familie, die zusammen den Rosenkranz betet, gibt ein wenig das Klima        des Heimes von Nazareth wieder: sie stellt Jesus in den Mittelpunkt, sie        teilt mit ihm Freud und Schmerz, sie legt Bedürfnisse und Vorhaben in        seine Hände, von ihm schöpft sie Hoffnung und Kraft für den Lebensweg.</p>
<p class="justify"><em><strong>&#8230; und die Kinder</strong> </em></p>
<p class="justify">42. Es ist auch schön und fruchtbar, diesem Gebet <em>die        Jahre des Wachstums der Kinder </em> anzuvertrauen. Ist nicht vielleicht        gerade das Rosenkranzgebet der Weg des Lebens Jesu &#8211; von seiner        Empfängnis, seinem Tod, bis zur Auferstehung und zur Verherrlichung? Es        wird gerade heute für die Eltern immer schwieriger, die Kinder in den        verschiedenen Etappen ihres Lebens zu begleiten. In der heutigen        Gesellschaft der hochentwickelten Technologie, der Massenmedien und der        Globalisierung ist alles so viel schneller geworden, und der kulturelle        Generationenunterschied wird immer einschneidender. Eine Fülle von        Informationen und ganz unvorhersehbare Erfahrungen nehmen früh Raum im        Leben der Kinder und der Heranwachsenden ein. Für die Eltern ist die        Bewältigung der Risiken, die die Kinder eingehen, manchmal beängstigend.        Nicht selten machen sie Erfahrungen unsäglicher Enttäuschung, wenn sie das        Scheitern der eigenen Kinder angesichts der Verführung zur Droge, der        Reize eines zügellosen Hedonismus, der Versuchung zur Gewalt, sowie        angesichts der verschiedensten Ausdrucksformen der Sinnlosigkeit und der        Verzweiflung feststellen.</p>
<p class="justify">Das Rosenkranzgebet <em>für die Kinder</em> , und noch        wichtiger <em>mit den Kindern</em> , &#8211; wobei sie vom zartesten Alter an zu        dieser täglichen Atempause des &#8222;betenden Innehaltens&#8221; in der Familie        erzogen werden &#8211; ist sicher nicht die Patentlösung für jedes Problem, aber        es ist eine geistliche Hilfe, die nicht unterschätzt werden darf. Dem        könnte man entgegenhalten, daß der Rosenkranz ein Gebet sei, das dem        Geschmack der Kinder und der Jugendlichen von heute wenig entspricht. Der        Einwand bezieht sich vielleicht auf eine Art und Weise des        Rosenkranzbetens, die es oftmals an Sorgfalt vermissen läßt. Unter der        Voraussetzung, daß die grundlegende Struktur des Rosenkranzes gewahrt        bleibt, spricht übrigens nichts dagegen, den mit Kindern und Jugendlichen        in der Familie oder in Gruppen gebeteten Rosenkranz mit angebrachten        symbolischen und praktischen Elementen zu versehen, die geeignet sind, das        Verständnis und die Wertschätzung dieses Gebetes zu fördern. Warum nicht        ausprobieren? Eine Jugendpastoral, die nicht nur auf nichts Wesentliches        verzichtet, sondern begeistert und kreativ ist, kann mit der Hilfe Gottes        durchaus so wichtige Dinge vollbringen. Die Weltjugendtage haben dafür den        Maßstab angegeben! Wenn der Rosenkranz in guter Weise eingeführt wird, bin        ich sicher, daß die Jugendlichen selbst die Erwachsenen noch einmal        überraschen können, indem sie sich dieses Gebet zu eigen machen und es mit        dem für ihr Alter typischen Enthusiasmus vollziehen.</p>
<p class="justify"><em><strong>Der Rosenkranz &#8211; ein Schatz, der wiederentdeckt werden        muß</strong> </em></p>
<p class="justify">43. Liebe Brüder und Schwestern! Ein Gebet, das so einfach        und gleichzeitig so reich ist, verdient es wirklich, von der christlichen        Gemeinschaft neu entdeckt zu werden. Dies wollen wir vor allem im        laufenden Jahr tun, indem wir dieses Angebot als eine bestärkende        Fortsetzung der Grundlinien annehmen, die das Apostolische Schreiben<em> <a  href="http://www.vatican.va/holy_father/john_paul_ii/apost_letters/documents/hf_jp-ii_apl_20010106_novo-millennio-ineunte_ge.html">Novo        millennio ineunte</a> </em> vorgezeichnet hat, von dem sich viele        Teilkirchen bei der Erarbeitung ihrer Pastoralpläne für die nächste        Zukunft haben inspirieren lassen.</p>
<p class="justify">Besonders wende ich mich an Euch, liebe Mitbrüder im        Bischofsamt, Priester und Diakone, und an Euch, die Ihr in den        verschiedenen Diensten der Seelsorge tätig seid: Wenn Ihr die Schönheit        des Rosenkranzes persönlich erfahrt, werdet Ihr selbst zu eifrigen        Förderern dieses Gebetes!</p>
<p class="justify">Auch in Euch, die Theologen, setze ich mein Vertrauen, daß        Ihr im Rahmen gleichermaßen präziser und weiser Überlegungen, die mit        Achtsamkeit gegenüber dem Lebensvollzug des Gottesvolkes auf das Wort        Gottes gründen, mithelft, die biblischen Grundlagen, den geistlichen        Reichtum und die pastorale Wirksamkeit dieses Gebetes zu entdecken.</p>
<p class="justify">Ich zähle auf Euch, die gottgeweihten Gläubigen, die Ihr in        ganz besonderer Weise dazu berufen seid, das Antlitz Christi in der Schule        Mariens zu betrachten.</p>
<p class="justify">Auf Euch alle schaue ich, Brüder und Schwestern jeglichen        Standes, auf Euch, die christlichen Familien, auf Euch, die Kranken und        die betagten Menschen, auf Euch, die Jugendlichen: <em>nehmt aufs Neue den        Rosenkranz mit Vertrauen in Eure Hände!</em> Entdeckt den Rosenkranz wieder        im Licht der Heiligen Schrift, in Einklang mit der Feier der Liturgie und        unter den Umständen des alltäglichen Lebens.</p>
<p class="justify">44. Dieser Aufruf darf nicht ungehört bleiben! Zu Beginn des        fünfundzwanzigsten Jahres meines Pontifikates lege ich dieses Apostolische        Schreiben vertrauensvoll in die weisen Hände der Jungfrau Maria. Im        prachtvollen Heiligtum, das der selige Bartolo Longo, der Apostel des        Rosenkranzes, zu ihrer Ehre erbaut hat, werfe ich mich geistig vor ihrem        Bilde nieder. Gerne mache ich mir die berührenden Worte zu eigen, mit        welchen er die berühmte <em>Bitte an die Königin des Heiligen        Rosenkranzes</em> beschließt: ?O Rosenkranz, gesegnet von Maria, süße        Kette, die uns an Gott bindet, Band der Liebe, das uns mit den Engeln        vereint, Turm des Heiles gegen die Angriffe der Hölle, sicherer Hafen im        allgemeinen Schiffbruch, dich lassen wir nie mehr los. Du, unsere Stärke        in der Stunde des Todes. Dir gilt der letzte Kuß unseres Lebens, wenn wir        sterben. Der letzte Gruß unserer Lippen sei dein holder Name, o Königin        des Rosenkranzes von Pompeji! O gute Mutter, du Zuflucht der Sünder,        erhabene Trösterin der Betrübten, sei überall gepriesen, heute und immer        im Himmel und auf Erden!? .</p>
<p class="justify"><em>Aus dem Vatikan, am 16. Oktober des Jahres 2002, dem        Beginn des fünfundzwanzigsten Jahres meines Pontifikates.</em></p>
<p class="center"><strong>JOHANNES PAUL II.</strong></p>
<p class="justify"><sup>1</sup> <sup> </sup> Pastoralkonstitution über die Kirche        in der Welt von heute <em>Gaudium et spes</em> , 45.</p>
<p class="justify"><sup>2</sup> <sup> </sup> Paul VI., <em>Marialis cultus</em> (2.        Februar 1974) 42: <em>AAS </em> 66 (1974), 153; vgl. OR dt., Nr. 20 (1974),        8.</p>
<p class="justify"><sup>3</sup> <sup> </sup> Vgl.<em> Acta Leonis XIII</em> , 3        (1884), 280-289.</p>
<p class="justify"><sup>4 </sup> Insbesondere verdient sein Apostolisches        Schreiben über den Rosenkranz <em> ?Il religioso        convegno? </em> vom 29. September 1961 Beachtung: <em>AAS </em> 53 (1961),        641-647.</p>
<p class="justify"><sup>5</sup> <sup> </sup> <em>Angelus: Insegnamenti </em> I        (1978), 75-76; vgl. OR dt., Nr. 44 (1978), 3.</p>
<p class="justify"><sup>6</sup> <sup> </sup> <em>AAS</em> 93 (2001), 285.</p>
<p class="justify"><sup>7</sup> <sup> </sup> In den Jahren der Vorbereitung auf        das Konzil hat Papst Johannes XXIII. es nicht versäumt, die christliche        Gemeinschaft zum Rosenkranzgebet um einen guten Ausgang dieses großen        kirchlichen Ereignisses einzuladen: vgl. Brief an den Kardinalvikar vom        28. September 1960: <em>AAS </em> 52 (1960), 814-817.</p>
<p class="justify"><sup>8</sup> Dogmatische Konstitution über die Kirche<em> Lumen gentium</em> , 66.</p>
<p class="justify"><sup>9 </sup> Nr. 32: <em>AAS </em> 93 (2001), 288.</p>
<p class="justify"><sup>10</sup> <sup> </sup> <em>Ebd.,</em> 33, l.c., 289.</p>
<p class="justify"><sup>11</sup> <sup> </sup> Es wird nachdrücklich darauf        hingewiesen, daß sich die Privatoffenbarungen ihrer Natur nach von der        allen zugänglichen Offenbarung unterscheiden, die für die Kirche normativ        ist. Es bleibt Aufgabe des Lehramtes, die Echtheit der Privatoffenbarungen        und ihre Bedeutung für die Frömmigkeit der Gläubigen zu beurteilen und        anzuerkennen.</p>
<p class="justify"><sup>12 </sup> <em>Il segreto meraviglioso del Santo Rosario        per convertirsi e salvarsi</em> , in S. Luigi Maria Grignion de Montfort,<em> Opere</em> , 1,<em> Scritti Spirituali</em> , Roma 1990, pp.729-843.</p>
<p class="justify"><sup>13</sup> <sup> </sup> Sel. Bartolo Longo, <em>Storia del        Santuario di Pompei</em> , Pompei 1990, p.59.</p>
<p class="justify"><sup>14</sup> <sup> </sup> Apost. Lehrschreiben <em>Marialis        cultus</em> (2 febbraio 1974) 47: <em>AAS </em> (1974), 156, vgl. OR dt., Nr.        20 (1974), 8.</p>
<p class="justify"><sup>15</sup> <sup> </sup> Konst. über die heilige Liturgie        <em>Sacrosanctum Concilium</em> , 10.</p>
<p class="justify"><sup>16</sup> <sup> </sup> <em>Ebd</em> ., 12.</p>
<p class="justify"><sup>17 </sup> Ökum. II. Vatikanisches Konzil, Dogmat.        Konstitution über die Kirche<em> Lumen gentium</em> , 58.</p>
<p class="justify"><sup>18</sup> <sup> </sup> <em>I Quindici Sabati del Santissimo        Rosario</em> , 27&amp;ordf; ed., Pompei 1916, p.27.</p>
<p class="justify"><sup>19 </sup> Ökum. II. Vat. Konzil, Dogmat. Konstitution        über die Kirche <em>Lumen gentium</em> , 53.</p>
<p class="justify"><sup>20</sup> <sup> </sup> <em>Ebd</em> ., 60.</p>
<p class="justify"><sup>21 </sup> Vgl. Primo radiomessaggio <em>Urbi et Orbi </em> (17 ottobre 1978): <em>AAS </em> 70 (1978), 927.</p>
<p class="justify"><sup>22 </sup> <em>Trattato della vera devozione a Maria</em> ,        120, in: <em>Opere. </em> Vol. I.<em> Scritti spirituali</em> , Roma 1990,        p.430.</p>
<p class="justify"><sup>23 </sup> <em>Katechismus der Katholischen Kirche</em> ,        2679.</p>
<p class="justify"><sup>24 </sup> <em>Ebd.</em> , 2675.</p>
<p class="justify"><sup>25 </sup> Der selige Bartolo Longo hat im Jahre 1883        die<em> Supplica alla Regina del Santo Rosario</em> , die zweimal jährlich,        im Mai und im Oktober, feierlich verrichtet wird, geschrieben. Damit        entsprach er einer Einladung Papst Leo XIII. in seiner ersten Enzyklika        über den Rosenkranz an die Katholiken, um den Übeln der Zeit mit        geistlichem Bemühen zu begegnen.</p>
<p class="justify"><sup>26</sup> <sup> </sup> Die Göttliche Komödie, XXXIII.        Gesang, 13-15.</p>
<p class="justify"><sup>27 </sup> Johannes Paul II., Apost. Schr.<em> Novo        millennio ineunte</em> (6. Januar 2001), 20: <em>AAS </em> 93 (2001), 279.</p>
<p class="justify"><sup>28</sup> Apost. Lehrschreiben <em>Marialis cultus</em> ,        46: <em>AAS </em> 66 (1974), 155.</p>
<p class="justify"><sup>29</sup> <sup> </sup> Johannes Paul II., Apost. Schr.<em> Novo millennio ineunte</em> (6. Januar 2001), 28: <em>AAS </em> 93 (2001),        284.</p>
<p class="justify"><sup>30 </sup> Nr. 515</p>
<p class="justify"><sup>31</sup> <sup> </sup> <em>Angelus </em> vom 29. Oktober        1978: <em>Insegnamenti </em> I (1978), 76; vgl. OR dt., Nr. 44 (1978),        S.3.</p>
<p class="justify"><sup>32 </sup> Ökum. II. Vat. Konzil, Pastoralkonst. über die        Kirche in der Welt von heute<em> Gaudium et spes</em> , 22.</p>
<p class="justify"><sup>33</sup> <sup> </sup> Vgl. hl. Irenäus von Lyon,        <em>Adversus haereses</em> , III, 18, 1: PG 7, 932.</p>
<p class="justify"><sup>34</sup> <sup> </sup> <em>Katechismus der Katholischen        Kirche </em> Nr. 2616.</p>
<p class="justify"><sup>35</sup> <sup> </sup> Vgl. Nr. 33: <em>AAS </em> 93 (2001),        289.</p>
<p class="justify"><sup>36 </sup> Johannes Paul II., Brief an die Künstler (4.        April 1999), 1: <em>AAS </em> 91 (1999), 1155.</p>
<p class="justify"><sup>37</sup> <sup> </sup> Vgl. Nr. 46: <em>AAS </em> 66 (1974),        155. Dieser Brauch wurde auch kürzlich von der Kongregation für den        Gottesdienst und die Sakramentenordnung lobenswert erwähnt        im ?<em>Direktorium über die Liturgie und Volksfrömmigkeit. Prinzipien        und Orientierungshilfen</em> ? (17. Dezember 2001), 201, Vatikanstadt        2002, 165.</p>
<p class="justify"><sup>38 </sup> <em>Missale Romanum</em> 1960, in festo B.M.        Virginis a Rosario.</p>
<p class="justify"><sup>39 </sup> Vgl. Nr. 34: <em>AAS </em> 93 (2001), 290.</p>
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